Eine neue Befragung des ifo Instituts zeichnet ein differenziertes Bild zur Auswirkung von Künstlicher Intelligenz auf den deutschen Arbeitsmarkt. Über 3.000 Unternehmen in Deutschland, die bereits KI-Systeme einsetzen, gaben Auskunft über ihre mittelfristigen Gehaltserwartungen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft zwischen verschiedenen Qualifikationsstufen und Erfahrungsniveaus. Dr. Anna Ruffert vom ifo Institut leitete die Erhebung, die Mitte August 2026 veröffentlicht wurde.
Besonders deutlich fallen die Lohnserwartungen für Angestellte ohne Hochschulabschluss und mit geringer Berufserfahrung aus. Bei Kräften mit weniger als fünf Jahren Praxis rechnet knapp jedes zweite Unternehmen, konkret 48,3 Prozent, innerhalb der kommenden fünf Jahre mit sinkenden Löhnen durch den KI-Einsatz. Im Dienstleistungssektor steigt dieser Wert sogar auf 53,3 Prozent an. Die Firmen begründen diese Entwicklungen mit der zunehmenden Automatisierung von Routineaufgaben, die bisher vor allem von Berufseinsteigern erledigt wurden.
Auch bei erfahrenen Arbeitskräften mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung ohne akademischen Titel zeichnen sich Einbußen ab. In der Industrie erwarten 38,9 Prozent der befragten Betriebe Gehaltsrückgänge für diese Gruppe. Im Handel liegt der Anteil bei 41,3 Prozent, während im Dienstleistungsbereich 44,2 Prozent der Firmen von sinkenden Einkommen ausgehen. Die Umfragedaten verdeutlichen, dass Berufserfahrung allein keinen vollständigen Schutz vor Entwertungen von Arbeitsleistungen bietet.
Völlig anders stellt sich die Situation für hochqualifizierte Arbeitskräfte mit einem Hochschulabschluss dar. Für Akademiker erwarten die Firmen in den nächsten fünf Jahren kaum Gehaltskürzungen, unabhängig von deren konkreter Berufserfahrung. Stattdessen sehen viele Vorstände und Personalverantwortliche hier gute Chancen auf Lohnsteigerungen. Fachkräfte mit akademischem Hintergrund nutzen KI-Werkzeuge häufig als Instrument zur Produktivitätssteigerung, was ihren Marktwert im Unternehmen weiter erhöht.
Die Studienergebnisse unterstreichen eine wachsende Polarisierung auf dem Arbeitsmarkt, die durch den beschleunigten KI-Einsatz vorangetrieben wird. Während hochqualifizierte Angestellte von Effizienzgewinnen profitieren und höhere Gehälter durchsetzen können, geraten andere Gruppen unter Anpassungsdruck. Experten raten Unternehmen deshalb, gezielte Weiterbildungsprogramme für Nicht-Akademiker einzurichten. Nur so lässt sich verhindern, dass breite Schichten der Belegschaft den Anschluss an die digitale Transformation verlieren.

