Die wirtschaftlichen Folgen generativer künstlicher Intelligenz schlagen sich zunehmend in amtlichen Statistiken nieder. Das Amt für Wirtschaft und das Amt für Arbeit des Kantons Zürich haben in ihrem Wirtschaftsmonitoring für September 2026 detaillierte Kennzahlen zur realen betrieblichen Nutzung und den Arbeitsmarkteffekten vorgelegt. Die begleitende Modellrechnung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, kurz ZHAW, zeichnet dabei ein zweigeteiltes Bild: Einerseits ermöglicht die Technologie einen deutlichen Schub bei der Wertschöpfung, andererseits verschärfen sich die Spannungen auf dem Arbeitsmarkt spürbar.
Laut der aktuellen Erhebung setzen mittlerweile 47 Prozent der befragten Zürcher Unternehmen generative KI systematisch im Betriebsalltag ein. Dies markiert einen kräftigen Anstieg gegenüber dem Erhebungsjahr 2024, als der Anteil noch bei 27 Prozent gelegen hatte. Die Durchdringung hängt jedoch massiv von der Unternehmensgröße ab. Während Großkonzerne zu 83 Prozent auf systematische KI-Prozesse zurückgreifen, tun dies bei mittleren Firmen 67 Prozent und bei Kleinstbetrieben lediglich 45 Prozent.
Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene prognostiziert die ZHAW-Modellrechnung im mittleren Szenario ein zusätzliches jährliches Wachstum der Arbeitsproduktivität von 1,1 Prozentpunkten über die kommenden zehn Jahre. Im Vergleich zum langjährigen Zürcher 25-Jahres-Schnitt von 0,5 Prozent pro Jahr entspricht dieser Wert mehr als einer Verdopplung des historischen Tempos. Besonders ausgeprägt fällt dieser Produktivitätsschub in wissensintensiven Schlüsselbranchen aus. Für Finanzdienstleister, Versicherungen sowie den Sektor Informations- und Kommunikationstechnologie kalkulieren die Ökonomen ein zusätzliches Produktivitätswachstum von 1,7 bis 1,8 Prozentpunkten pro Jahr.
Gleichzeitig dokumentiert das Monitoring deutliche Friktionen bei der Beschäftigung. Im Zeitraum zwischen Oktober 2022 und Juni 2026 kletterte die Zahl der registrierten Stellensuchenden in Berufen mit hoher KI-Exposition um 118 Prozent. Im selben Zeitraum legte die Zahl der Suchenden in gering exponierten Tätigkeiten lediglich um 13 Prozent zu, während Berufe mit mittlerer Exposition ein Plus von 66 Prozent verzeichneten. Die Verschiebungen treffen vor allem traditionelle Wissens- und Schreibberufe wie Softwareentwickler, klassische Bürokräfte sowie Spezialisten für Marketing und Werbung.
Die Daten zeigen allerdings keinen generellen Stellenabbau über alle Qualifikationsstufen hinweg, sondern eine strukturelle Polarisierung. Während ausführende Routinetätigkeiten im Programmier- und Textbereich unter Druck geraten, wuchs die Beschäftigung in übergeordneten Leitungsfunktionen sowie hochspezialisierten Expertenberufen, wie etwa bei Architekten, überdurchschnittlich an. Für die Zürcher Wirtschaftsverwaltung unterstreichen die Befunde die Notwendigkeit, Qualifizierungsoffensiven voranzutreiben, damit die prognostizierten Produktivitätsgewinne nicht von steigenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt überschattet werden.

