Der Kanton Zürich steht vor einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Transformation durch künstliche Intelligenz. Eine gemeinsame Untersuchung des Amts für Wirtschaft, der Fachstelle Wirtschaftspolitik, des Amts für Arbeit und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeichnet ein bemerkenswertes Bild: Generative KI besitzt das Potenzial, das jährliche Wachstum der kantonalen Arbeitsproduktivität in den kommenden zehn Jahren um zusätzlich 1,1 Prozentpunkte anzuheben. Damit würde sich das bisherige historische Trendwachstum der vergangenen 25 Jahre, das bei durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr lag, mehr als verdoppeln.
Besonders deutlich dürften die Zuwächse in den traditionell wissens- und datenintensiven Kernbranchen des Wirtschaftsstandorts ausfallen. Für die Bereiche Finanzdienstleistungen, Banken, Versicherungen sowie die Informationstechnologie prognostizieren die Ökonomen der ZHAW sogar einen jährlichen Produktivitätszuwachs von 1,7 bis 1,8 Prozent. Dies unterstreicht die Rolle Zürichs als Dienstleistungszentrum, in dem kognitive Tätigkeiten einen überdurchschnittlich großen Anteil der Wertschöpfung ausmachen.
Parallel zu diesen Produktivitätsversprechen offenbart die Auswertung des kantonalen Wirtschaftsmonitorings jedoch eine deutliche Verwerfung auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen Oktober 2022 und Juni 2026 stieg die Zahl der gemeldeten Stellensuchenden in Berufsfeldern mit hoher Exposition gegenüber KI-Systemen um insgesamt 118 Prozent an. Zu diesen stark betroffenen Berufsgruppen zählen laut der Untersuchung insbesondere die Softwareentwicklung, allgemeine Sachbearbeitung sowie das Marketing.
In Berufsbildern mit geringer Berührung zu generativen Werkzeugen verlief die Entwicklung im selben Betrachtungszeitraum ungleich moderater. Dort legte die Zahl der Stellensuchenden lediglich um 13 Prozent zu. Dieser drastische Unterschied von 118 Prozent zu 13 Prozent belegt, dass Arbeitgeber in wissensbasierten Tätigkeitsfeldern bereits zurückhaltender rekrutieren oder bestehende Aufgabenprofile rascher umstrukturieren, während handwerkliche oder personenbezogene Dienstleistungen deutlich stabiler bleiben.
Bei der praktischen Nutzung generativer KI zeigt sich ein fortgeschrittener, aber ungleicher Reifegrad. Nahezu 50 Prozent der Zürcher Unternehmen setzen die Technologie inzwischen systematisch in ihren betrieblichen Prozessen ein. Allerdings klafft bei der Einführung weiterhin eine spürbare Lücke zwischen den Betriebsgrößen: Während multinationale Großkonzerne bereits strukturierte Workflows etabliert haben, hinken kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der systematischen Verankerung hinterher.

