Der Übergang von experimentellen Pilotprojekten zu skalierbaren Wertschöpfungsprozessen verläuft in der globalen Wirtschaft höchst ungleichmäßig. Mehrere neue Untersuchungen von Accenture, Wharton, Microsoft und Deloitte zeichnen das Bild eines Marktes, in dem Budgets und operative Nutzung rasant zulegen, während die organisatorische Reife oft hinterherhinkt. Einer weltweiten Erhebung von Accenture zufolge haben bisherige Investitionen in generative KI und Prozessautomatisierung bei 74 Prozent der Unternehmen die Erwartungen erfüllt oder übertroffen. Infolgedessen planen 63 Prozent der Organisationen, ihre Mittel für entsprechende Kernkompetenzen weiter aufzustocken.
Gleichzeitig bildet sich eine wachsende Leistungsschere zwischen den Marktteilnehmern heraus. Laut Accenture ist der Anteil sogenannter reinvention-ready Unternehmen, die ihre Prozesse vollständig modernisiert haben und KI-gestützt steuern, binnen eines Jahres von 9 auf 16 Prozent gestiegen. Diese Gruppe erzielt im Vergleich zum restlichen Wettbewerb ein 2,5-mal höheres Umsatzwachstum sowie eine 2,4-fach höhere Produktivität. Zudem gelingt es diesen Vorreitern 3,3-mal erfolgreicher, Anwendungsszenarien generativer KI in die breite operative Skalierung zu überführen. Auf der anderen Seite kämpfen 64 Prozent aller befragten Betriebe mit der internen Neuausrichtung, und bei 61 Prozent erweisen sich unzureichende Datenbestände als akuter Bremsklotz.
Dass generative KI längst die Schreibtische des Managements erreicht hat, belegt eine Studie von AI at Wharton und dem Beratungsunternehmen GBK Collective unter mehr als 800 US-Entscheidern aus Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Dollar Jahresumsatz. Demnach stieg der Anteil der Führungskräfte, die generative KI mindestens einmal wöchentlich nutzen, von 37 auf 72 Prozent. Die dafür bereitgestellten Budgets kletterten im Untersuchungszeitraum um durchschnittlich 130 Prozent nach oben, wobei 72 Prozent der Befragten weitere Etaterhöhungen planen. Bemerkenswert ist die Dynamik in einzelnen Fachbereichen: Im Einkauf explodierte die wöchentliche Nutzung von 50 auf 94 Prozent, gefolgt von der Produktentwicklung mit 78 Prozent, dem Finanzwesen mit 76 Prozent und der IT mit 75 Prozent.
Der tatsächliche Einsatz konzentriert sich gegenwärtig vor allem auf text- und datenbasierte Routineabläufe. Rund 64 Prozent der Befragten nutzen generative KI zur Erstellung von Entwürfen und Angeboten, 62 Prozent setzen sie für strukturierte Datenanalysen ein, und 59 Prozent lassen Besprechungen sowie Dokumente zusammenfassen. Dieser Trend deckt sich mit den Erwartungen in europäischen Kernmärkten. Eine gemeinsame Studie des Think Tanks W.I.R.E., des ETH Zurich AI Center und Microsoft Schweiz ergab, dass 95 Prozent der Führungskräfte in den kommenden fünf Jahren Produktivitätsschübe erwarten, wobei fast die Hälfte bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre messbare Effizienzgewinne in den Geschäftszahlen verbuchen will.
Trotz dieser hohen Erwartungshaltung deckt der Deloitte Global Boardroom Survey eine gravierende strategische Lücke auf. Bei 45 Prozent der befragten Aufsichts- und Führungsgremien steht das Thema künstliche Intelligenz überhaupt nicht regulär auf der Tagesordnung. Lediglich 14 Prozent der Boards befassen sich bei jeder Sitzung mit der strategischen KI-Ausrichtung ihres Hauses. Dieser Mangel an strategischer Führung schlägt direkt auf die operative Umsetzung durch: Rund 70 Prozent der Unternehmen stecken in der Pilotphase fest, sodass weniger als ein Drittel der begonnenen Projekte tatsächlich in den Regelbetrieb übergeht. Fehlende Skalierungsarchitekturen, ungeklärte Datenrechte und unzureichende Risikomanagement-Vorgaben bleiben die wesentlichen Ursachen für diesen Implementierungsstau.

