Die Diskrepanz zwischen strategischem Anspruch und operativer Realität prägt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Unternehmenswelt. Wie aus der am 2. September 2026 veröffentlichten globalen Untersuchung Voice of Our Clients 2026 des IT-Dienstleisters CGI hervorgeht, verfügen zwar 37 Prozent der befragten Unternehmen über eine unternehmensweite KI-Strategie. Die tatsächliche Durchdringung fällt jedoch ernüchternd aus, da lediglich acht Prozent der Organisationen diese Vorgaben bereits im gesamten organisatorischen Ökosystem operativ umsetzen. Für die Erhebung befragte CGI weltweit mehr als 1.800 Geschäfts- und Technologie-Führungskräfte, überwiegend aus dem C-Level-Segment und mit speziellem Blick auf die DACH-Region. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Wirtschaft, die zwar ambitionierte Pläne schmiedet, bei der konkreten Umsetzung im Arbeitsalltag aber massiv ins Stocken gerät.
Ein zentraler Grund für den Stillstand nach ersten Testphasen liegt tief in den bestehenden IT-Landschaften verankert. Ganze 52 Prozent der von CGI befragten Entscheider bezeichnen veraltete IT- und Daten-Infrastrukturen als die mit Abstand größte Barriere, um Anwendungen über isolierte Pilotprojekte hinaus zu skalieren. Historisch gewachsene Systeme erschweren die nahtlose Anbindung moderner Datenmodelle erheblich. Zugleich mangelt es vielen Betrieben an einer belastbaren kaufmännischen Steuerung. Lediglich 55 Prozent der teilnehmenden Organisationen erfassen und quantifizieren die Ergebnisse sowie den Return on Investment ihrer KI-Implementierungen systematisch.
Dass die Probleme bei der Einführung keineswegs rein technischer Natur sind, unterstreicht der Ende August 2026 veröffentlichte 2026 State of AI for Business Report von SmarterX. Bei der Befragung von mehr als 2.100 Fach- und Führungskräften traten vor allem organisatorische Defizite als Haupthindernisse zutage. So beklagen 38 Prozent der Teilnehmer das Fehlen systematischer Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen in ihren Betrieben. Weitere 35 Prozent sehen ein mangelndes Grundverständnis innerhalb der Belegschaft als Bremse, während 30 Prozent über akuten Zeitmangel klagen, um sich überhaupt fundiert in die Werkzeuge einzuarbeiten.
Dieser Mangel an Vorbereitung steht im scharfen Kontrast zur immensen Dringlichkeit, die das Top-Management dem Thema beimisst. Im SmarterX-Bericht stufen 74 Prozent der Befragten KI als sehr wichtig oder geschäftskritisch für den Erfolg in den kommenden zwölf Monaten ein, bei CEOs und Gründern klettert dieser Wert sogar auf 89 Prozent. Auf der Ebene der Angestellten herrscht dabei eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen makroökonomischer Skepsis und persönlicher Zuversicht. Während 71 Prozent der Befragten erwarten, dass KI gesamtwirtschaftlich deutlich mehr Arbeitsplätze vernichten als neu schaffen wird, fürchten nur 20 Prozent um ihren eigenen aktuellen Arbeitsplatz. Lediglich 13 Prozent glauben an einen gesamtwirtschaftlichen Netto-Zuwachs an Arbeitsplätzen.
Um die interne Umsetzungslücke zu überbrücken, zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Auslagerung ab. Laut CGI planen 29 Prozent der befragten C-Level-Führungskräfte, innerhalb der kommenden drei Jahre verstärkt auf Managed-Services-Modelle zu setzen, um fehlende eigene Integrationskapazitäten zu kompensieren. Die Kombination aus rigiden Altsystemen und unzureichend vorbereiteten Belegschaften zwingt Unternehmen dazu, externes Fachwissen einzukaufen. Solange Organisationen jedoch Datenbasen nicht modernisieren und Teams nicht gezielt weiterbilden, drohen selbst hoch priorisierte KI-Programme in einer teuren Abhängigkeit von externen Dienstleistern zu verharren.

