Die deutsche Wirtschaft steht vor einer tiefgreifenden Produktivitätskrise, die den künftigen Wohlstand des Landes akut gefährdet. Eine neue Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass das reale Produktivitätswachstum in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren auf durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr eingebrochen ist. Zum Vergleich: In den 1980er und 1990er Jahren lag dieser Zuwachs noch regelmäßig bei rund 2,0 Prozent jährlich.
Die Ursachen für diesen schleichenden Niedergang sind vielschichtig, doch die demografische Entwicklung verschärft die Lage dramatisch. Den Berechnungen der Forscher zufolge werden dem deutschen Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2036 rund 4,3 Millionen Erwerbspersonen altersbedingt fehlen. Wenn weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung stehen, muss die Wirtschaftsleistung pro Kopf drastisch zunehmen, damit das bisherige Wohlstandsniveau und die sozialen Sicherungssysteme tragfähig bleiben.
Um diese gravierende Lücke vollständig zu kompensieren, wäre nach Angaben des IW Köln ein jährlicher Produktivitätszuwachs von mindestens 1,6 Prozent erforderlich. Die deutsche Wirtschaftsleistung müsste demnach mehr als fünfmal so stark zulegen wie im jüngsten Sechsjahreszeitraum. Ohne eine gezielte Gegensteuerung droht der Bundesrepublik ein dauerhafter Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung.
Als unverzichtbaren Hebel identifiziert die Studie vor allem die beschleunigte Integration von künstlicher Intelligenz in betriebliche Kernprozesse. Neben dem Abbau bürokratischer Hemmnisse biete die Automatisierung von Routineaufgaben und die Unterstützung von Fachkräften durch generative Systeme das größte Potenzial, um bestehende Kapazitätsengpässe in Unternehmen zu überbrücken. Der technologische Wandel müsse daher von den Unternehmen massiv forciert werden.
Bislang verläuft die praktische Umsetzung in den Betrieben jedoch zögerlich. Während Teilbereiche wie das Personalwesen zunehmend auf generative Werkzeuge für Routineberichte setzen, bremsen rechtliche Unsicherheiten und Implementierungskosten eine flächendeckende Ausrollung. Die Studienautoren fordern deshalb von Politik und Wirtschaft klare Leitplanken, um Investitionen in KI-gestützte Systeme im Mittelstand deutlich schneller in messbare Produktivitätsgewinne zu überführen.

