Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine umfassende Untersuchung zu den Risikoprüfungspraktiken führender Wall-Street-Banken eingeleitet. Formelle Vorladungen wurden an vier der größten Finanzinstitute der Vereinigten Staaten zugestellt: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America. Im Zentrum der behördlichen Ermittlungen stehen milliardenschwere Kreditlinien und fremdkapitalfinanzierte Hebelgeschäfte, die diese Banken dem auf künstliche Intelligenz spezialisierten Hedgefonds Situational Awareness zur Verfügung gestellt hatten.
Der betroffene Fonds wurde von dem ehemaligen OpenAI-Forscher Leopold Aschenbrenner gegründet und verwaltete auf dem Höhepunkt seiner Handelsaktivitäten ein Portfolio im Volumen von über 30 Milliarden US-Dollar. Situational Awareness verfolgte rein KI-gestützte Makro- und Derivatestrategien, die stark auf Halbleiter- und Technologiekonzerne ausgerichtet waren. Als der Markt für Hardware- und KI-Titel schweren Verwerfungen ausgesetzt war, griffen die programmierten Absicherungsstrategien des Fonds nicht wie erwartet.
Die fehlerhaften Hedging-Modelle führten innerhalb kurzer Zeit zu einem massiven Wertverlust von 67 Prozent des Fondsvolumens. Infolgedessen konnten die geforderten Nachschusspflichten bei den kreditgebenden Banken nicht mehr bedient werden, was eine Kaskade von Margin Calls auslöste. Um eine unkontrollierte Schockwelle auf dem breiteren Kapitalmarkt abzuwenden, griff der Market Maker Citadel ein. Citadel erwarb den Großteil des Portfolios mit einem Bewertungsabschlag von rund 10 Prozent und wickelte die Positionen über fast 100 Block-Trades im Gesamtwert von mehr als 4 Milliarden US-Dollar geordnet ab.
Die US-Regulierungsbehörden prüfen nun im Detail, wie die beteiligten Banken die Modellrisiken und Kontrahentenrisiken vor der Kreditvergabe bewertet haben. Im Fokus steht die Frage, ob die Risikomanagement-Abteilungen der Banken die Funktionsweise und Anfälligkeit der KI-Handelsalgorithmen ausreichend verstanden und überwacht haben. Zudem untersuchen die Ermittler mögliche Klumpenrisiken, da mehrere Großinstitute parallel hohe Hebel auf dieselben KI-getriebenen Anlagestrategien gewährt hatten.
Der Fall verdeutlicht die wachsenden Bedenken der Aufsichtsbehörden hinsichtlich systemischer Risiken durch autonome Finanzalgorithmen. Wenn komplexe mathematische Modelle große Positionen am Markt steuern und gleichzeitig enorme Summen an Fremdkapital im Spiel sind, können algorithmische Fehlentscheidungen Kettenreaktionen auslösen. Die SEC signalisiert mit den Vorladungen unmissverständlich, dass Banken für mangelhafte Kontrollen bei KI-basierten Kreditnehmern voll haftbar gemacht werden.

