Für den weltweiten Bericht The State of Intelligent Collaboration 2026 befragte die Kollaborationsplattform Miro im September und Oktober 2026 über 9.500 Führungskräfte sowie Wissensarbeiter in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und der Region Asien-Pazifik. Die Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild der betrieblichen Realität. Zwar beschleunigen generative Assistenten einzelne Arbeitsschritte messbar, doch die erhofften Produktivitätsgewinne verpuffen auf Teamebene fast vollständig.
Auf der Ebene individueller Aufgaben verzeichnen die Befragten deutliche Geschwindigkeitsvorteile. Beeindruckende 83 Prozent der Teilnehmer geben an, dass künstliche Intelligenz ihre persönliche Produktivität spürbar gesteigert hat, und 73 Prozent berichten von einer schnelleren Fertigstellung ihrer Arbeitsergebnisse. Allerdings geht dieses Tempo selten mit inhaltlicher Exzellenz einher. Lediglich 56 Prozent der Beschäftigten stellen fest, dass sich auch die Qualität ihrer Arbeitsergebnisse tatsächlich verbessert hat.
Wechselt der Blick von der Einzelaufgabe zur gemeinsamen Koordination, fallen die Bilanzen noch skeptischer aus. Ganze 60 Prozent der befragten Fachkräfte beobachten durch KI keinerlei Fortschritte in der Zusammenarbeit ihrer Teams. Zudem sehen 52 Prozent keine fundierteren Entscheidungen am Arbeitsplatz. Rund zehn Prozent der Beschäftigten geben sogar an, dass sich betriebliche Entscheidungen verschlechtert haben, weil ungeprüfte maschinelle Vorschläge ungefiltert übernommen wurden.
Eine zentrale Ursache für diesen Stillstand liegt im Nutzungsverhalten begründet. Bei 69 Prozent der Beschäftigten findet die Nutzung generativer Modelle ausschließlich in isolierten Einzelsitzungen statt, ohne dass Prompts oder Kontexte im Team geteilt werden. Diese privaten Silos verhindern den Aufbau kollektiven Wissens. Die Interaktion mit der Software bleibt ein isolierter Vorgang, der abseits etablierter Arbeitsabläufe stattfindet und kaum in gemeinsame Strukturen einfließt.
Zusätzlich erzeugt die unkoordinierte Nutzung von Sprachmodellen neue Reibungsverluste in den Abteilungen. Rund 55 Prozent der Befragten klagen über eine Zunahme minderwertiger, maschinell erzeugter Text- und Bildentwürfe, die betriebsintern zirkulieren. Dieser unzureichende Inhalt zwingt Kollegen zu aufwendigen manuellen Prüf- und Korrekturschleifen, was zu kognitiver Überlastung führt und die anfängliche Zeitersparnis wieder neutralisiert.
Die Erhebung verdeutlicht, dass die Bereitstellung von Softwarelizenzen allein keine Produktivitätsrevolution auslöst. Wenn individuelle Zeiteinsparungen lediglich dazu führen, dass Kollegen fehlerhafte Rohentwürfe redigieren müssen, verschiebt sich der Arbeitsaufwand nur an eine andere Stelle. Unternehmen müssen daher gemeinsame Qualitätsstandards und transparente Übergabeprozesse etablieren, um den Schritt von isolierten Einzelanwendungen zu funktionierender Teamarbeit zu bewältigen.

