Die Schiedsrichterorganisation PGMOL hat eine detaillierte Auswertung zum Zusammenspiel zwischen menschlichen Schiedsrichtern und halbautomatischer Abseitstechnologie vorgelegt. Veranlasst wurde die Untersuchung durch PGMOL-Chef Howard Webb, nachdem es in jüngsten Partien zu strittigen Spielszenen gekommen war. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die sogenannte Semi-Automated Offside Technology, kurz SAOT, die die Arbeit der Unparteiischen auf dem Spielfeld präziser machen soll. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen nun auf, dass die Einführung hochentwickelter KI-Systeme neue Fehlerquellen im Schiedsrichterwesen eröffnet. Anstatt Fehlentscheidungen vollends zu verhindern, verlagerte sich die Problematik auf die direkte Interaktion zwischen Mensch und Maschine.
Aus rein messtechnischer Sicht funktionierte das eingesetzte System fehlerfrei. Die installierten KI-Tracking-Kameras erfassten das Spielgeschehen ohne Unterbrechung und ermittelten die geometrische Abseitsposition eines Spielers jeweils in Sekundenbruchteilen. Diese automatisierte Rekonstruktion lieferte eine mathematisch exakte Bestimmung der räumlichen Konstellation auf dem Rasen. Howard Webb betonte in seiner Analyse, dass an den zugrundeliegenden Berechnungen und der optischen Bilderfassung der Kameras keine Zweifel bestehen. Der Algorithmus erfüllte seine primäre Aufgabe, die exakte Linie des Spielers im Moment der Ballabgabe festzustellen, ohne jeden technischen Mangel.
Die Schwierigkeiten begannen erst bei der Weiterverarbeitung der Daten durch das Schiedsrichtergespann. Die Auswertung deckte ein gravierendes Schnittstellenproblem auf, da der zuständige Video-Assistent der rein optischen Bestätigung der Technologie ein zu hohes Vertrauen schenkte. Dieses uneingeschränkte Verlassen auf das computergenerierte Bild führte bei dem verantwortlichen Video-Schiedsrichter zu einem ausgeprägten Tunnelblick. Die visuelle Klarheit der Technologie verleitete dazu, die standardmäßigen Kontrollschritte der Spielleitung vorzeitig einzustellen. Der Mensch am Bildschirm übertrug die Verantwortung für die Regelauslegung unbewusst an das automatisierte Assistenzsystem.
Dieser technische Tunnelblick hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die tatsächliche Regelauslegung auf dem Platz. Während die KI die räumliche Position fehlerfrei feststellte, unterblieb die nach den Fußballregeln zwingend geforderte Beurteilung der Spielsituation. Konkret vernachlässigte der Video-Assistent die anschließende Prüfung, ob eine potenzielle Irritation des Torhüters vorlag oder andere Spieler passiv am Spielgeschehen beteiligt waren. Da die Technologie lediglich Geometrie erfasst, aber keine Absichten oder Irritationen deuten kann, blieb eine entscheidende Regelfrage ungelöst. Die Schiedsrichter übersahen somit, dass die geometrische Abseitsstellung allein noch keinen Regelverstoß begründet.
Als unmittelbare Konsequenz aus dem Vorfall zieht die Schiedsrichterführung personelle und methodische Konsequenzen. PGMOL führt mit sofortiger Wirkung angepasste Schulungsrichtlinien für Schiedsrichter und Video-Assistenten ein, um den Umgang mit computergenerierten Abseitsmodellen neu zu strukturieren. Die neuen Richtlinien zielen darauf ab, den menschlichen Urteilsprozess ausdrücklich von der visuellen KI-Prüfung zu trennen. Schiedsrichter werden künftig intensiver darin geschult, die computergenerierten Modelle zwar als geometrische Entscheidungshilfe zu nutzen, aber die Pflicht zur Beurteilung von Irritationen und passiven Spielanteilen niemals zu vernachlässigen. Der Vorfall unterstreicht, dass die beste KI-Technologie wirkungslos bleibt, wenn die Schnittstelle zum menschlichen Bediener nicht präzise geregelt ist.

