Eine neue Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs unter der Leitung von Amanda Lynam offenbart einen tiefgreifenden Strukturwandel bei der Finanzierung von Künstlicher Intelligenz. Die Analysten der Abteilung Credit Strategy Research beobachten, dass die weltweit führenden Technologiekonzerne ihre massiven Ausgaben für KI-Infrastruktur nicht mehr allein aus ihrem laufenden operativen Cashflow bestreiten können. Infolgedessen weichen Unternehmen vermehrt auf Unternehmensanleihen und den Markt für Private Credit aus. Dieser Wandel markiert das Ende einer Ära, in der Tech-Giganten ihre Expansion fast ausschließlich aus eigenen Reserven finanzierten.
Die Dimensionen dieser Entwicklung sind beeindruckend und verdeutlichen den enormen Kapitalbedarf der Branche. Für das Jahr 2026 prognostiziert Goldman Sachs weltweite KI-Investitionen von über einer Billion US-Dollar. Treiber dieser Dynamik sind vor allem die fünf großen Hyperscaler Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle. Ihre kombinierten Kapazitätsausgaben steigen im Jahresvergleich drastisch an und setzen neue Maßstäbe im Finanzsektor.
Während die Kapazitätsausgaben dieser fünf Konzerne im Jahr 2025 noch bei etwa 405 Milliarden US-Dollar lagen, klettern sie laut der Prognose im Jahr 2026 auf geschätzte 750 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2027 könnte diese Summe sogar die Marke von 1,2 Billionen US-Dollar erreichen. Da selbst die rentabelsten Tech-Konzerne solche Summen nicht mehr mühelos aus laufenden Gewinnen abdecken, verändert sich die Kapitalstruktur der gesamten Industrie nachhaltig.
Die geänderten Rahmenbedingungen spiegeln sich deutlich in der Zusammensetzung der Fremdfinanzierung wider. Der Anteil der über Anleihen finanzierten Investitionen steigt von 26 Prozent im Jahr 2025 auf voraussichtlich etwa 33 Prozent im Jahr 2026. Bis zum Jahr 2027 wird erwartet, dass bereits 35 Prozent der weltweiten KI-Ausgaben durch Schuldeninstrumente abgedeckt werden. Dies erfordert eine neue Bewertung des Kreditrisikos der betroffenen Schwergewichte am Finanzmarkt.
An der Wall Street zeigte sich bei den Quartalszahlen im August 2026 bereits eine klare Differenzierung unter den Profiteuren der KI-Welle. Während das Cloud-Umsatzwachstum der Topdrei Cloud-Anbieter im Vorjahresvergleich um durchschnittlich 48 Prozent zulegte, profitierten Unternehmen mit direkter Monetarisierung besonders stark. So verzeichneten Spezialisten wie CoreWeave mit einem Plus von 18,6 Prozent und Super Micro mit 14,2 Prozent deutliche Kurssprünge nach der Veröffentlichung ihrer Bilanzen.
Zusammenfassend verdeutlicht der Bericht von Goldman Sachs, dass der Aufbau der globalen KI-Hardware auf eine neue finanzielle Basis gestellt wird. Die zunehmende Abhängigkeit von Fremdkapital bringt neue finanzielle Verpflichtungen und Risiken für die Bilanzstruktur der Technologieunternehmen mit sich. Für Investoren und Finanzinstitute wird die genaue Beobachtung des Fremdkapitaleinsatzes im Tech-Sektor daher zu einem zentralen Element der Risikobewertung.

