In der Immobilienbranche verlagert sich die technologische Debatte zunehmend von allgemeinen Sprachmodellen hin zu konkreter Prozessautomatisierung. Eine neue Untersuchung der Makler-Softwareplattform Alto offenbart nun ein deutliches Gefälle zwischen oberflächlicher Nutzung und tiefer Integration in den Kernbetrieb von Agenturen. Für die Erhebung wurden 250 Immobilienbüros zu ihrem Arbeitsalltag befragt. Das Ergebnis zeichnet ein klares Bild: Zwar gehört Künstliche Intelligenz für viele Makler bereits zum Berufsalltag, revolutioniert jedoch bisher vor allem Schreibarbeiten und Marketing statt den komplexen Verkaufsprozess.
Laut dem Alto-Bericht setzen inzwischen 69 Prozent der befragten Makler regelmäßig KI-Werkzeuge ein. Allerdings beschränken sich 85 Prozent dieser Anwender auf lediglich vier administrative Standardaufgaben. An erster Stelle steht das Formulieren von Objektbeschreibungen, das von 67 Prozent der Fachkräfte genutzt wird, gefolgt von der Erledigung der alltäglichen E-Mail-Korrespondenz mit 53 Prozent. Weitere 37 Prozent verwenden generative Systeme für allgemeine Verwaltungsaufgaben, während 35 Prozent damit Inhalte für das Social-Media-Marketing entwerfen.
Tiefere und rechtlich anspruchsvollere Wertschöpfungsschritte bleiben dagegen fast vollständig außen vor. Nur 10 Prozent der Makler vertrauen KI-Systemen bei der Wertermittlung von Liegenschaften, und lediglich 5 Prozent nutzen sie für automatisierte Compliance-Prüfungen. Bei der Begleitung von Kaufverträgen, der sogenannten Sales Progression, greifen gar nur 4 Prozent auf entsprechende Algorithmen zurück. Alto warnt in der Auswertung davor, die Technologie rein als Textgenerator zu verschleißen, anstatt Transaktionen nachhaltig zu beschleunigen und Übertragungszeiten zu verkürzen.
Dabei entstehen in der Branche bereits spezialisierte Schnittstellen, um Routineabläufe bei der Vermarktung zu vereinfachen. So stellten der Bilderkennungsspezialist Restb.ai und das Erfassungsunternehmen CubiCasa am 2. Oktober 2026 eine direkte Workflow-Integration vor. Das System analysiert Smartphone-Scans und Objektfotos in Echtzeit, extrahiert Ausstattungsmerkmale, prüft Inserate auf Konformität mit MLS-Portalen und synchronisiert Bildmaterial automatisch mit erstellten Grundrissen. Solche Werkzeuge zielen darauf ab, den manuellen Verschlagwortungs- und Prüfaufwand spürbar zu reduzieren.
Parallel dazu fließen erhebliche Investitionsmittel in risikoreichere finanzielle Anwendungsfälle, bei denen Software Entscheidungen eigenständig vorbereitet. Das texanische Unternehmen Homeward sicherte sich am 9. Oktober 2026 ein Finanzierungspaket aus 120 Millionen Dollar Eigenkapital und 330 Millionen Dollar Fremdkapital. Die Plattform nutzt KI-gestützte Sofortbewertungen, um bonitätsgeprüfte Barkauf- und Zwischenfinanzierungsangebote in Echtzeit bereitzustellen. Auch Startups wie CarbonAI erhalten Risikokapital, um gewerbliche Kreditunterlagen und Mietspiegel per Agentenarchitektur automatisiert zu prüfen.
Die Zurückhaltung der Vermittler spiegelt ein übergeordnetes Muster im PropTech-Sektor wider. Breitere Branchenberichte, wie jene von JLL, zeigen zwar, dass Fehlerquoten automatisierter Bewertungsmodelle inzwischen auf rund 2,8 Prozent gesunken sind. Gleichzeitig geben institutionelle Eigentümer an, dass trotz intensiver Pilotphasen erst ein Bruchteil die erhofften Effizienzziele im Portfolio-Underwriting voll erreicht hat. Der Alto-Report unterstreicht somit, dass der operative Wandel im Maklerbüro nicht an der Existenz von Algorithmen scheitert, sondern an deren praktischer Verankerung in verhandlungs- und rechtsrelevanten Prozessen.

