Die Nutzung künstlicher Intelligenz an europäischen Arbeitsplätzen hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank, verfasst von António Dias da Silva, Laura Lebastard und David Sondermann, setzen inzwischen 52 Prozent der Erwerbstätigen im Euroraum KI-Systeme im Beruf ein. Dieser Wert hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt, nachdem er 2024 noch bei 26 Prozent und 2025 bei 41 Prozent lag. Die Daten basieren auf dem monatlichen Consumer Expectations Survey unter rund 20.000 Erwerbstätigen in elf Euro-Ländern.
Trotz des rasanten Zuwachses offenbaren die Daten der Notenbank eine deutliche demografische und bildungsbezogene Kluft. Während 61 Prozent der Hochschulabsolventen regelmäßig KI-Werkzeuge einsetzen, liegt der Anteil bei Beschäftigten mit geringerer formaler Bildung lediglich bei 37 Prozent. Zudem nutzen jüngere Arbeitskräfte die Technologie mit einem Vorsprung von rund 20 Prozentpunkten deutlich häufiger als ältere Kollegen. Aktive Nutzer greifen im Schnitt an rund drei Arbeitstagen pro Woche auf entsprechende Anwendungen zurück.
Parallel dazu zeichnet der KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt und YouGov unter Leitung von Professor Peter Buxmann ein differenziertes Stimmungsbild für Deutschland. Eine Befragung von über 2.000 Beschäftigten zeigt, dass 43 Prozent der Arbeitnehmer mit fundierten KI-Kenntnissen eine mittelfristige Übernahme ihres Arbeitsplatzes durch KI fürchten. Das Paradoxon liegt darin, dass die Sorge vor einem Verlust des Arbeitsplatzes direkt mit dem technologischen Verständnis der Beschäftigten ansteigt.
Gleichzeitig hinkt die betriebliche Weiterbildung der tatsächlichen Nutzung deutlich hinterher. Laut der Darmstädter Studie gaben lediglich 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer an, von ihrem Arbeitgeber ein gezieltes KI-Training erhalten zu haben. Um diese Lücke zu schließen, investierten Beschäftigte für private Fortbildungen durchschnittlich 788 US-Dollar aus eigener Tasche, um ihre Beschäftigungsfähigkeit im Zeitalter automatisierter Systeme zu sichern.
Auch auf Unternehmensebene klafft eine Lücke zwischen dem Einsatz moderner Werkzeuge und ihrer organisatorischen Verankerung. Eine EMEA-weite Erhebung von ServiceNow unter 4.700 Führungskräften und Fachkräften zeigt, dass bereits 57 Prozent der Firmen agentische KI-Systeme einsetzen. Dennoch haben bislang lediglich 9 Prozent der Unternehmen durchgängige autonome Workflows etablieren können, da viele Organisationen Modelle ohne vorbereitete Integrations- und Prozessinfrastruktur einführen.

