Das KI-Unternehmen Cohere hat am 5. Oktober 2026 die zweite Generation seiner Enterprise-Plattform North offiziell vorgestellt. Die neue Version North 2 soll Unternehmen eine robuste Infrastruktur für den produktiven Einsatz autonomer Software-Agenten bieten. Im Zentrum steht ein grundlegend überarbeitetes Orchestrierungs-Harness, das mehrstufige Handlungsabläufe von Agentensystemen koordiniert und steuert.
Eine wesentliche funktionale Neuerung von North 2 ist die Einführung eines persistenten, sitzungsübergreifenden Speichers. Dieser sogenannte Cross-Session Memory erlaubt es Agenten, Kontext und Arbeitsergebnisse über getrennte Nutzersitzungen hinweg verlässlich beizubehalten. Zudem bricht Cohere mit geschlossenen Ökosystemen: North 2 ist modellagnostisch konzipiert, wodurch Firmen neben den hauseigenen Modellen auch Systeme von Wettbewerbern nahtlos in ihre Workflows einbinden können.
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase intensiver Debatten über die Betriebssicherheit von KI-Agenten in Unternehmen. Erst am 3. Oktober 2026 hatte der Open-Source-Entwickler Simon Willison auf Hacker News eine breite Diskussion über die Notwendigkeit standardmäßiger harter Ausgabenlimits angestoßen. Willison wies darauf hin, dass fehlerhafte autonome Programmier- und Web-Agenten in Endlosschleifen binnen kürzester Zeit tausende Dollar an API- und Cloud-Kosten verursachen können, weshalb strikte Abbruchgrenzen statt bloßer Warn-E-Mails erforderlich seien.
Cohere reagiert auf diese Bedenken direkt über das Administrationsmodul North Admin. IT-Verantwortliche können dort harte Token-Budgets festlegen, bei deren Erreichen laufende Prozesse zwingend gestoppt werden, anstatt ungebremst weiterzulaufen. Ergänzend lassen sich flexible Ratenbegrenzungen und granulare Rollenrechte konfigurieren, um den Zugriff verschiedener Teams zu regeln.
Neben Kostenfragen adressiert die Plattform strenge regulatorische und sicherheitstechnische Anforderungen von Großkonzernen und Behörden. North 2 lässt sich nach Angaben des Unternehmens flexibel betreiben und unterstützt sowohl klassische Cloud-Infrastrukturen als auch vollständig isolierte Air-Gapped-Umgebungen ohne Verbindung zum öffentlichen Internet. Damit zielt Cohere auf Organisationen ab, die sensible Daten verarbeiten und externe Netzwerkabhängigkeiten strikt minimieren müssen.

