Der US-amerikanische Baustoffhandelsriese Builders FirstSource hat eine strategische Führungsrolle beim ConTech-Startup Digs übernommen. Im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde investiert der börsennotierte Konzern als alleiniger Lead-Investor 25,3 Millionen US-Dollar in das junge Technologieunternehmen. Gleichzeitig vereinbarten beide Parteien einen fünfjährigen Exklusiv- und Kooperationsvertrag. Mit diesem Schritt will der Baustoffhändler seine Lieferketten und Beschaffungsprozesse direkt mit digitalen Bauakten verzahnen.
Auf Baustellen herrscht bei Dokumentationen traditionell ein hohes Maß an Fragmentierung und Intransparenz. Architekten, Generalunternehmer, Handwerker und Materiallieferanten arbeiten häufig mit unterschiedlichen Versionsständen von CAD-Plänen, Leistungsverzeichnissen und Rechnungen. Veraltete Spezifikationen und manuelle Übertragungsfehler führen regelmäßig zu kostspieligen Falschbestellungen, Bauverzögerungen und langwierigen Nachtragsverhandlungen. Genau diese Schnittstellenprobleme sollen nun durch automatisierte Softwarelösungen systematisch behoben werden.
Digs setzt auf eine Kombination aus spezialisierten Computer-Vision-Algorithmen und großen Sprachmodellen, um unstrukturierte Baudokumente automatisiert zu erfassen. Die Software analysiert zweidimensionale Planzeichnungen, Materiallisten sowie bauphysikalische Nachweise und führt diese in einer zentralen Umgebung zusammen. Aus den heterogenen Datenquellen entsteht ein interaktiver digitaler Zwilling des jeweiligen Gebäudes. Dieser sogenannte Living Digital Twin aktualisiert sich fortlaufend, sobald neue Planungsstände oder Rechnungsdaten in das System eingespeist werden.
Für Builders FirstSource eröffnet die Technologie neue Wege in der digitalen Auftragsabwicklung und Baustellenlogistik. Die Plattform von Digs wird direkt an das bestehende Beschaffungs- und Vertriebsnetzwerk des Baustoffhändlers angebunden. Ändern sich Entwürfe oder Materialvorgaben auf der Baustelle, synchronisieren sich die Materialabrufe künftig weitgehend automatisiert mit den Lager- und Lieferkapazitäten. Dies reduziert Lagerbestände auf Projektseite und verkürzt die Vorlaufzeiten für Gewerke deutlich.
Der digitale Gebäudezwilling entfaltet seinen Nutzen über die gesamte Nutzungsdauer einer Immobilie. Während der Rohbau- und Ausbauphase greifen Nachunternehmer auf eine einheitliche Datenbasis für Abnahmen und Gewährleistungsprüfungen zu. Nach Fertigstellung und Übergabe des Objekts dient die Plattform den neuen Eigentümern als lückenloses digitales Archiv sämtlicher verbauter Komponenten und Installationswege. Die Kooperation markiert damit einen weiteren Schritt zur vollständigen Digitalisierung des Wohnungsbaus.

