In der deutschen Wirtschaft hat sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz in rasantem Tempo verbreitet. Laut einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen im September 2026 erstmals 57 Prozent der Betriebe KI aktiv ein. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent, im Vorjahr erst bei 36 Prozent. Weitere 38 Prozent der Betriebe planen oder diskutieren konkrete Schritte zur Einführung, während nur noch vier Prozent angeben, dass KI für sie überhaupt kein Thema sei.
Hinter den Zuwachszahlen verbirgt sich jedoch eine gravierende Reifegrad-Lücke. Obwohl die Technologie breitflächig Einzug gehalten hat, schöpfen die Betriebe die operativen Möglichkeiten kaum tiefergehend aus. Kein einziges der befragten Unternehmen gab an, das Potenzial vollständig zu nutzen. Lediglich drei Prozent sehen bei sich eine starke Ausnutzung, während 28 Prozent von einer geringen und 59 Prozent von praktisch gar keiner Ausschöpfung der operativen Potenziale sprechen.
Gleichzeitig wächst der strategische Stellenwert rasant. Inzwischen stufen 91 Prozent der Unternehmen künstliche Intelligenz als die wichtigste Zukunftstechnologie ein, verglichen mit 73 Prozent im Jahr 2024. Nur noch acht Prozent halten das Thema gegenwärtig für einen vorübergehenden Hype. Damit setzt sich in den Führungsetagen die Einsicht durch, dass KI dauerhafte strukturelle Veränderungen in fast allen Wertschöpfungsketten erzwingt.
Mit dieser Einsicht geht ein stark gestiegener Druck einher. 61 Prozent der Befragten vertreten die Auffassung, dass Unternehmen ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz keine Zukunft mehr haben. Zugleich sehen 34 Prozent der Betriebe durch die technologische Dynamik inzwischen die Existenz des eigenen Unternehmens direkt bedroht, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 23 Prozent des Vorjahres darstellt.
Als wesentliche Hürden für eine tiefergehende Verankerung im Geschäftsbetrieb identifizieren die Unternehmen komplexe interne Prozesse und regulatorische Auflagen, darunter Compliance-Vorgaben rund um den europäischen AI Act. Viele Organisationen verharren daher nach ersten Pilotprojekten in einer abwartenden Haltung, statt automatisierte End-to-End-Prozesse in ihren Kernsystemen auszurollen.

