Der Mangel an IT-Fachkräften zwingt deutsche Unternehmen zu pragmatischen Rekrutierungswegen. Wie eine repräsentative Erhebung des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 600 Unternehmen ab drei Beschäftigten zeigt, beschäftigen inzwischen 69 Prozent der Betriebe mit offenen IT-Stellen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Dabei greifen 31 Prozent der befragten Firmen häufig und 38 Prozent vereinzelt auf Arbeitskräfte zurück, die keinen traditionellen Ausbildungsweg im Informatikbereich absolviert haben.
Der Trend zu alternativen Karrierewegen dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Insgesamt 39 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, künftig noch intensiver auf Quereinsteiger setzen zu wollen. Ziel dieser Strategie ist es vor allem, akute Defizite bei Digital- und KI-Kompetenzen zeitnah zu schließen, da der reguläre Arbeitsmarkt die Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Spezialisten kaum decken kann.
Bei der Personalauswahl rücken formale Bildungsabschlüsse zunehmend in den Hintergrund. Für 51 Prozent der befragten Unternehmen besitzen praktische Anwendungsfähigkeiten mittlerweile einen höheren Stellenwert als akademische Zeugnisse oder Zertifikate. Rund 80 Prozent der Betriebe greifen bevorzugt auf Personen zurück, die bereits praktische IT-Vorerfahrung mitbringen oder spezialisierte Weiterbildungsprogramme wie Bootcamps erfolgreich durchlaufen haben.
Entgegen verbreiteten Befürchtungen führt die zunehmende Nutzung von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz keineswegs zu einer Entlassungswelle in der Informationstechnik. Ganz im Gegenteil melden 42 Prozent der befragten Unternehmen durch die Einführung und den Betrieb von KI-Systemen einen zusätzlichen Bedarf an IT-Spezialisten, da Implementierung, Integration und Wartung personelle Ressourcen binden.
Die Stabilität der Beschäftigung im Technologiesektor spiegelt sich auch in den konkreten Personalbilanzen wider. Bei 85 Prozent der Unternehmen, die künstliche Intelligenz aktiv einsetzen, ist bislang keinerlei Personalabbau in den IT-Abteilungen zu verzeichnen. Künstliche Intelligenz wirkt in den Betrieben somit primär als Treiber von Transformation und Weiterbildung, statt bestehende IT-Arbeitsplätze zu vernichten.

