Die wirtschaftliche Durchdringung künstlicher Intelligenz schreitet rasant voran, doch die tatsächlichen Erträge und Versorgungsstrukturen zeichnen ein komplexes Bild. Laut einer empirischen Großstudie des National Bureau of Economic Research (NBER Working Paper 34836), für die knapp 9.000 Top-Führungskräfte aus sieben Ländern befragt wurden, setzen mittlerweile 78 Prozent der Unternehmen KI ein. Die finanziellen Aufwände fallen dabei enorm ins Gewicht: US-Firmen planen für das Jahr 2026 im Schnitt 2.000 US-Dollar pro Mitarbeiter ein, was aggregiert rund 300 Milliarden Dollar entspricht. Diese Investitionen sind allerdings extrem ungleich verteilt, denn lediglich zwei Prozent der Unternehmen zeichnen für mehr als die Hälfte der gesamten Ausgaben verantwortlich.
Gleichzeitig schlagen sich diese Budgets bislang nur sehr verhalten in messbaren Effizienzgewinnen nieder. Die befragten Führungskräfte berichten im NBER-Papier von einem moderaten Produktivitätszuwachs von bisher lediglich 0,2 Prozentpunkten pro Jahr. Erst für die kommenden drei Jahre erwarten die Manager eine Beschleunigung auf 0,6 Prozentpunkte jährlich. Bei den Beschäftigtenzahlen verzeichnen die Firmen zwar im Aggregat keinen Netto-Stellenabbau, doch der interne Wandel ist tiefgreifend: Über 40 Prozent der Unternehmen melden deutliche Zu- und Abgänge in einzelnen Abteilungen, was auf eine massive Umschichtung von Aufgabenprofilen hinweist.
Auf der technischen Ebene vollzieht sich währenddessen eine dramatische geografische Verlagerung. Eine Untersuchung der Friedrich-Naumann-Stiftung auf Basis von OpenRouter-Transaktionsdaten dokumentiert, dass europäische Softwareentwickler massiv auf chinesische Basisinfrastrukturen ausweichen. Im Spätsommer 2026 liefen in Deutschland bereits 61 Prozent aller abgerechneten API-Tokens über chinesische Modelle wie DeepSeek oder Qwen, während US-amerikanische Modelle auf einen Marktanteil von 37 Prozent fielen. Im gesamten EU-Raum kletterte dieser Anteil binnen zwölf Monaten von 15 Prozent auf 58 Prozent. Deutschland bildet mit 60,5 Billionen abgerufenen Tokens den weltweit zweitgrößten Markt für chinesische KI-Inferenz außerhalb Chinas, getrieben vor allem durch Open-Source-Verfügbarkeit und bis zu 33-mal niedrigere API-Kosten.
Diese operative Realität verschärft bestehende Sorgen über die technologische Souveränität. Eine zeitgleich vom Digitalverband Bitkom anlässlich des Digital-Gipfels vorgestellte Erhebung unterstreicht die Verwundbarkeit der deutschen Wirtschaft: 96 Prozent der hiesigen Betriebe sind zwingend auf den Import digitaler Basistechnologien angewiesen. Bei einem hypothetischen sofortigen Importstopp für Cloud-Dienste, Software und KI-Modelle wäre die heimische Industrie nach eigener Einschätzung im Durchschnitt nur noch 16 Monate betriebsfähig. Speziell KI-Anwendungen werden von 56 Prozent der Betriebe als kritischer Abhängigkeitsfaktor vom außereuropäischen Ausland eingestuft.
Flankiert wird diese Entwicklung von einer wachsenden Kontrolllücke in den IT-Abteilungen. Laut einer globalen Erhebung des Beratungsunternehmens Thoughtworks räumen 88 Prozent der Technologievorstände ein, dass die KI-Adoption in den Fachabteilungen schneller voranschreitet, als formelle Governance- und Compliance-Regeln etabliert werden können. Zudem geben 89 Prozent der befragten CIOs an, mittlerweile mehr Zeit und Verantwortung für die Neugestaltung von Arbeitsprozessen und Mitarbeiterorganisation aufbringen zu müssen als für die traditionelle IT-Infrastruktur. Die Transformation erfordert somit primär Managementanpassungen, während die technische Abhängigkeit von externen Modellen weiter zunimmt.

