Der Immobiliensektor erlebt eine spürbare Neuausrichtung beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Statt isolierter Benutzeroberflächen und geschlossener Makler-Chatbots setzt eXp Realty auf eine offene Schnittstellenstrategie. Unter dem Leitgedanken MCP First, AI of Choice bindet das Unternehmen das Model Context Protocol ein. Damit können Immobilienmakler ihre bereits gewohnten generativen Assistenten wie Claude, ChatGPT oder Gemini direkt an die operativen Systeme des Unternehmens anbinden.
Der technologische Ansatz ermöglicht den direkten Zugriff auf eXp-eigene Plattformen wie Hub und My eXp. Makler rufen Vergütungsmodelle, Produktionskennzahlen und CRM-Daten aus Systemen wie Lofty oder BoldTrail direkt über standardisierte Protokoll-Endpunkte ab. Durch den Verzicht auf eine separate Software-Benutzeroberfläche entfällt die Notwendigkeit, neue Programme zu erlernen. Die Architektur bildet zugleich die Grundlage für das für Anfang 2027 angekündigte AGNT OS.
Zeitgleich zeigt sich im Maklerwesen ein wachsender Trend zu maßgeschneiderten, datensouveränen Lösungen. So präsentierte das internationale Luxus-Maklerunternehmen The Agency um Mauricio Umansky am 23. Oktober 2026 eine eigene hybride Plattformarchitektur. Um den hohen Schutzanforderungen bei Ultra-High-Net-Worth-Kunden gerecht zu werden, trennt das Unternehmen sensible Daten strikt. Vertrauliche Kunden- und Finanzinformationen verbleiben in selbst gehosteten Open-Source-Modellen, während kommerzielle Schnittstellen von OpenAI ausschließlich für allgemeine Marktrecherchen genutzt werden.
Auch in der Due Diligence und Bewertung entstehen spezialisierte Dateninfrastrukturen für maschinelle Systeme. Das Unternehmen Ploti startete am 14. Oktober 2026 einen Real Estate Data Layer, der gezielt auf autonome KI-Agenten statt auf menschliche Analysten ausgerichtet ist. Das System aggregiert und strukturiert Informationen über Behördenserver, GIS-Kataster sowie Bau- und Zonenpläne in 40 US-Bundesstaaten, um automatisierte Underwriting-Prozesse zu ermöglichen.
Dieser grundlegende Übergang zu agentischen Architekturen und offenen Standards prägt zunehmend auch die Gebäudeverwaltung. Analysen des Center for Real Estate Technology & Innovation belegen, dass Risikokapital verstärkt in ereignisgesteuerte Gebäude-Betriebssysteme fließt, sogenannte PropOS-Lösungen. Der Fokus der Branche verlagert sich damit endgültig von einfachen Textgeneratoren hin zu tief integrierten, maschinenlesbaren Datenströmen.

