Am 13. Oktober 2026 haben führende US-Finanzinstitute eine koordinierte Abwehrlinie gegen autonome Software-Bots für Verbraucher gezogen. Während des Earnings-Calls zum dritten Quartal 2026 verkündete JPMorgan Chase, externen KI-Agenten künftig jeden direkten Zugriff auf Retail- und Girokonten zu verwehren. Kurz darauf schlossen sich auch die Citigroup und die Bank of America dieser restriktiven Linie an. Die Institute reagieren damit auf die rasante Verbreitung neuer Software-Assistenten, die eigenständig im Auftrag von Bankkunden Finanzgeschäfte tätigen sollen.
Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase, begründete die drastische Maßnahme vor Analysten mit grundlegenden juristischen Bedenken. Im Zentrum steht die ungeklärte Frage des Haftungsübergangs, falls ein externer Agent fehlerhafte Buchungen veranlasst oder durch manipulierte Eingaben geschädigt wird. Bisher existiert kein einheitlicher Rechtsrahmen, der festlegt, wer die finanzielle Verantwortung für Aktionen unkontrollierter Bots trägt. Dimon warnte ausdrücklich vor unberechenbaren Software-Agenten, die bestehende Sicherheitsarchitekturen im Online-Banking unterlaufen könnten.
Die Bank of America bekräftigte diesen Schritt mit einer klaren operativen Vorgabe für alle geldabfließenden Transaktionen. Das Institut stellte klar, dass Überweisungen und Zahlungsanweisungen weiterhin zwingend eine direkte Freigabe durch einen Menschen erfordern. Ein solches Kontrollprinzip schließt vollautomatisierte Klick- und Buchungsketten durch Drittanbieter-Algorithmen im Kernbankensystem faktisch aus. Man wolle verhindern, dass automatisierte Systeme ohne menschliche Aufsicht Kontostände leerräumen oder Überweisungsketten auslösen.
Hinter den offiziell betonten Sicherheitsbedenken verbirgt sich jedoch auch ein eminenter ökonomischer Faktor. Nach dem Rollout neuer autonomer persönlicher Assistenten im September und Oktober beobachteten Banken erste Bot-Netzwerke, die systematisch unverzinstes Girokonto-Geld abzogen. Diese autonomen Agenten schichteten liquide Mittel in Sekundenbruchteilen in höher verzinste Geldmarktfonds oder Arbitrage-Vehikel um. Für die Großbanken stellt dieser automatisierte Einlagenabfluss eine direkte Bedrohung für ihre zinsgünstige Refinanzierungsbasis dar.
Die verhängte Sperre bedeutet jedoch kein generelles Ende von Schnittstellen für externe Dienstleister. Reine Open-Banking-Schnittstellen mit reinem Lesezugriff bleiben über zertifizierte Partner weiterhin geöffnet, sodass Finanzübersichten und Kontoinformationsdienste funktionieren. Gesperrt werden gezielt transaktionale Schreibrechte, die es Third-Party-Bots erlauben würden, selbstständig Zahlungen und Transaktionen im Namen der Kontoinhaber auszulösen. Damit behalten die Banken die Hoheit über die Transaktionsausführung im Retail-Banking.

