Behörden und Gerichte in den USA verschärfen die Aufsicht über den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Sportwetten. Im Bundesstaat Massachusetts hat die zuständige Massachusetts Gaming Commission eine formelle Untersuchung eingeleitet, um die Funktionsweise automatisierter Marketingmechanismen aufzuklären. Auslöser sind Bedenken, dass lizenzierte Plattformen mithilfe von Vorhersage-Algorithmen das Verlustverhalten von Kunden ausnutzen, um sie zu weiteren Wetteinsätzen zu bewegen.
Dean Serpa, Executive Director der Gaming Commission, stellte am 9. Oktober 2026 allen lizenzierten Sportwettenanbietern im Bundesstaat eine Frist bis zum 3. November 2026. Bis zu diesem Datum müssen die Plattformen detailliert darlegen, wie ihre Systeme Kundendaten auswerten und segmentieren. Im Fokus der Regulierer steht insbesondere der Verdacht, dass Machine-Learning-Modelle gezielt Nutzer ansprechen, die vor Kurzem Wettverluste erlitten haben, was Fachkreise als sogenanntes Loss Chasing bezeichnen.
Nahezu zeitgleich wächst der juristische Druck auf Anbieter auch vor Zivilgerichten. Am 2. Oktober 2026 wurde am U.S. District Court in Boston eine Sammelklage gegen den Sportwettenriesen DraftKings eingereicht. Die Klageschrift wirft dem Unternehmen vor, hochentwickelte KI-Modelle einzusetzen, um Verlustphasen von Spielern in Echtzeit zu erkennen und daraufhin automatisiert personalisierte Bonusangebote zu generieren. Nach Ansicht der Kläger verstärke dieses Vorgehen gezielt das Suchtpotenzial und führe zu unfairen Praktiken gegenüber gefährdeten Nutzern.
Die Entwicklungen in Massachusetts folgen auf ähnliche regulatorische Debatten im Bundesstaat New York, wo Aufsichtsbehörden die Intransparenz algorithmischer Werbemaßnahmen ebenfalls kritisiert hatten. Sportwettenanbieter nutzen seit Jahren verstärkt automatisierte Vorhersagemodelle, um Kundenbindungsmaßnahmen zu optimieren und Umsatzpotenziale auszuschöpfen. Das Eingreifen der Regulierungsbehörden markiert eine neue Phase, in der die genaue Architektur dieser Werbealgorithmen nicht mehr als reines Geschäftsgeheimnis behandelt werden darf.
Bis zum Ablauf der Frist am 3. November 2026 müssen die betroffenen Plattformen umfassende Erläuterungen liefern, nach welchen Kriterien Boni und Werbeaktionen ausgespielt werden. Sollten die Auswertungen Hinweise auf manipulative Mechanismen liefern, könnten der Branche in den USA weitreichende Auflagen für algorithmische Werbekampagnen drohen. Auch für DraftKings könnte der Ausgang des Verfahrens in Boston richtungsweisend für den künftigen Einsatz von Machine Learning in den eigenen Produkten sein.

