Die Investitionsbereitschaft in Unternehmen bleibt trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten bemerkenswert hoch. Laut einer auf dem IT Symposium/Xpo vorgestellten Erhebung des Beratungsunternehmens Gartner planen 75 Prozent der befragten CEOs, ihre Ausgaben für Technologie und künstliche Intelligenz weiter auszubauen. Für 80 Prozent der befragten Führungskräfte fungiert Technologie nicht mehr nur als operatives Werkzeug, sondern bestimmt maßgeblich die übergeordnete Unternehmensstrategie. Dennoch offenbart die Befragung von 203 globalen CEOs und Vorständen eine fundamentale Diskrepanz zwischen strategischem Anspruch und betriebswirtschaftlicher Realität.
Genau 44 Prozent der von Gartner befragten Unternehmenslenker geben an, dass es ihnen schwerfällt, gegenüber Vorständen und Stakeholdern handfeste finanzielle Erträge aus ihren KI-Investitionen nachzuweisen. Gartner-Analyst David Furlonger betont in diesem Zusammenhang, dass die Wertschöpfung nicht an den technischen Werkzeugen scheitert. Vielmehr erfordere der erfolgreiche Einsatz ein grundlegendes Redesign der Geschäftsprozesse, da das bloße Aufpfropfen moderner Systeme auf historisch gewachsene Abläufe keine messbaren Mehrwerte generiere. Die Phase des unkritischen Experimentierens weicht damit zunehmend einer harten Rechenschaftspflicht.
Dieses Bild bestätigt auch der globale AI Value Realization Report 2026 des Technologieunternehmens HTEC, für den 1.500 Führungskräfte der Chefetage befragt wurden. Demnach haben 79 Prozent der Unternehmen ihre KI-Budgets im vergangenen Jahr um durchschnittlich 31 Prozent aufgestockt. Gleichzeitig konstatieren 77 Prozent der Manager, dass die tatsächliche Produktivitätssteigerung heute stärker durch Menschen, Qualifikationsdefizite und starre interne Prozesse blockiert wird als durch technische Limitierungen. Die eigentlichen Hürden liegen folglich in den Governance-Strukturen, den Adoptionsmodellen und den betrieblichen Abläufen der Organisationen.
Während globale Konzerne mit internen Transformationsprozessen ringen, zeigt sich im deutschen Mittelstand eine ganz andere Dimension der Zurückhaltung. Eine Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergab, dass im zweiten Halbjahr 2025 noch rund zwei Drittel der hiesigen Betriebe komplett auf den Einsatz von KI-Werkzeugen verzichteten. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Begründung der Nichtanwender: Ganze 88 Prozent von ihnen gaben an, überhaupt keine passenden Einsatzmöglichkeiten im eigenen Geschäftsbetrieb zu erkennen. Selbst in Branchen mit rechnerisch hohem Automatisierungspotenzial sahen 85 Prozent der Betriebe keinen konkreten Anwendungsfall.
Neben der fehlenden Vorstellungskraft für konkrete Anwendungsfelder belasten mangelndes methodisches Wissen und unklare Kostenstrukturen die breite Einführung, wie jeweils rund ein Drittel der im IAB-Bericht erfassten Betriebe anführte. Wo KI hingegen bereits genutzt wird, klafft eine deutliche Schere zwischen Branchen mit hohem Potenzial, wo die Adoptionsrate bei 41 Prozent liegt, und Bereichen mit geringem Potenzial, wo lediglich 13 Prozent KI anwenden. Die Befunde verdeutlichen, dass der Markt an einer entscheidenden Schnittstelle steht: Die technologische Machbarkeit ist weitgehend bewiesen, doch die organisatorische Reife und die praktische Übersetzungsleistung hinken dem rasanten Investitionstempo hinterher.

