Auf der Konferenz WSJ Tech California am 4. November 2026 äußerte sich Take-Two-Interactive-CEO Strauss Zelnick ausführlich zur strategischen Rolle von generativer künstlicher Intelligenz im Portfolio des Publishers. Anlass waren Fragen rund um die Entwicklung des meisterwarteten Titels der Branche, Grand Theft Auto VI, sowie Vorwürfe bezüglich der allgemeinen Release-Dichte. Zelnick nutzte die Bühne, um eine klare Trennlinie zwischen kreativer Spielentwicklung und operativen Effizienzsteigerungen im Konzern zu ziehen.
Generative KI habe laut Zelnick schlicht keinen schöpferischen Anteil an der Erschaffung der Spielwelt von GTA 6. Die virtuelle Welt des Titels werde von Rockstar Games Gebäude für Gebäude sowie Straße für Straße von Hand gebaut. Prozedural erzeugte oder vollautomatisch generierte Spielumgebungen könnten nach Ansicht der Führungsetage keineswegs jenen qualitativen Standard erreichen, den Fans und Kritiker von dem Vorzeige-Franchise erwarten. Das Handwerk menschlicher Entwickler bleibe daher für das Kernprodukt unersetzbar.
Gleichzeitig enthüllte Zelnick jedoch, wie kompromisslos Take-Two generative KI in anderen Unternehmensbereichen bereits zur massiven Kostensenkung einsetzt. Ein konzerneigenes Entwicklerstudio in der Türkei produziert Videoanzeigen für Mobile Games mittlerweile vollständig unter Einsatz generativer Bild- und Videosysteme. Dies betrifft insbesondere standardisierte 30- und 60-sekündige Werbeclips, die auf Social-Media- und Mobile-Werbenetzwerken ausgespielt werden.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Automatisierung bezifferte Zelnick mit konkreten Zahlen. Während konventionelle Werbedrehs mit echten Schauspielern, Beleuchtungsteams und Drehorten zuvor Produktionskosten zwischen 25.000 und 50.000 US-Dollar pro Spot verursachten, drückt der KI-Workflow die Ausgaben nun auf etwa 800 US-Dollar pro Spot. Diese drastische Reduktion erlaubt es dem Publisher, Kampagnen in hoher Schlagzahl zu iterieren und zielgruppengenaue Werbemittel mit minimalem finanziellem Risiko zu testen.
Die Aussagen Zelnicks markieren ein pragmatisches Paradigma für die Gaming-Industrie, die seit Monaten mit steigenden Produktionsbudgets und Entlassungswellen ringt. Während der Konzern den eigentlichen künstlerischen Mehrwert seiner Premium-Blockbuster als unantastbares menschliches Werk vermarktet, wird der repetitive Werbe- und Marketingapparat im Hintergrund weitgehend industrialisiert. Für Publisher zeichnet sich damit ein Modell ab, bei dem KI vor allem dort dominiert, wo Geschwindigkeit und Skalierbarkeit über individueller Autorenschaft stehen.

