Große Unternehmen investieren trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten weiter massiv in künstliche Intelligenz, stoßen bei der tatsächlichen Wertschöpfung jedoch an empfindliche Grenzen. Der Datendienstleister Dun & Bradstreet befragte im Rahmen seines Global AI Momentum Survey weltweit 10.000 Betriebe aus 32 Ländern. Dabei gaben 65 Prozent der Organisationen an, ihre KI-Budgets in den kommenden zwölf Monaten weiter aufstocken zu wollen. Die erhofften geschäftlichen Erfolge bleiben jedoch für den Großteil der Marktteilnehmer aus, da nur 28 Prozent der befragten Firmen bislang eine spürbare finanzielle Rendite aus ihren Initiativen ziehen.
Als primärer Flaschenhals erweist sich die zugrundeliegende Dateninfrastruktur, die mit den hohen Ambitionen der Chefetagen selten Schritt hält. Lediglich 8 Prozent der von Dun & Bradstreet erfassten Unternehmen bezeichnen ihre Datenarchitektur und Datenqualität als vollständig bereit für einen unternehmensweiten Regelbetrieb. Weitere 33 Prozent stufen ihre Bestände als überwiegend vorbereitet ein, während 44 Prozent erhebliche Defizite einräumen. Ohne bereinigte, konsistente Datenbestände scheitern selbst hochentwickelte Modelle daran, verlässliche Auswertungen oder automatisierte Workflows in der Praxis stabil auszuführen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Führungsriegen durch operative Fehltritte im Tagesgeschäft rasant an. Eine zeitgleich veröffentlichte Studie von IBM unter mehr als 3.200 Führungskräften aus acht Ländern der EMEA-Region offenbart, dass 80 Prozent der Betriebe im vergangenen Jahr mindestens einen kritischen KI-Vorfall direkt an den Vorstand oder Aufsichtsrat melden mussten. Zu den dokumentierten Problemen zählten fehlerhafte Aktionen autonomer Software-Agenten, systematische Fehlentscheidungen sowie unbeabsichtigte Datenabflüsse. Das Thema künstliche Intelligenz verliert damit endgültig seinen experimentellen Schonraum und wird zum handfesten Haftungsrisiko auf höchster Führungsebene.
Obwohl das Risikopotenzial in den Vorstandsetagen angekommen ist, fallen die organisatorischen Konsequenzen vielerorts erstaunlich zögerlich aus. Nur 40 Prozent der von Vorfällen betroffenen EMEA-Unternehmen passten laut IBM im Anschluss ihre internen Governance- und Compliance-Regeln verbindlich an. Gleichzeitig treiben 56 Prozent der Betriebe ihre Implementierungspläne ungebremst voran, obwohl sie wissen, dass die internen Leitplanken für den Einsatz noch unzureichend definiert sind. Lediglich 37 Prozent verfügen über eine formal bezifferte Risikobewertung zu potenziellen finanziellen Schäden, die aus solchen Regelungslücken entstehen könnten.
Die Ergebnisse beider Untersuchungen zeichnen das Bild eines Marktes im Umbruch, der den Übergang von oberflächlichen Pilotversuchen zur industriellen Skalierung nur mühsam bewältigt. Der Zwang zum schnellen Rollout überlagert vielerorts die notwendige Grundlagenarbeit an Datenpipelines, Berechtigungskonzepten und Notfallplänen. Unternehmen, die jetzt nur in Lizenzen investieren, ohne Datenqualität und Governance-Strukturen abzusichern, riskieren nicht nur Fehlinvestitionen, sondern auch Kontrollverluste. Der tatsächliche Wettbewerbsvorteil entscheidet sich daher künftig weniger an den eingesetzten Modellen als an der soliden Beherrschung der darunterliegenden Daten- und Kontrollsysteme.

