Die Immobilienwirtschaft verzeichnet im August 2026 einen spürbaren Wandel bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz. Laut der dreijährigen Langzeitstudie Real Estate AI and Leadership Survey der Delta Media Group ist der Anteil der Maklerunternehmen, die keinerlei KI-Nutzung planen, auf einen historischen Tiefstand von 1,9 Prozent gesunken. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 10,6 Prozent und 2025 bei 4,0 Prozent. Mittelgroße Agenturen mit 101 bis 500 Maklern verzeichnen inzwischen eine vollständige Adoptionsquote von 100 Prozent und schließen damit zu den Branchenriesen auf.
Parallel zur gestiegenen Akzeptanz verändern neue Softwarewerkzeuge die Vermarktung von Objekten. Das Maklernetzwerk OneKey MLS integrierte die Anwendung Ocusell List, die mithilfe von Bilderkennung und generativen Textmodellen Inserate, Metadaten und Pflichtangaben direkt aus Grundrissen und Fotografien erstellt. Gleichzeitig startete mit Link ein neuer Konversationsassistent, der Suchanfragen von Kaufinteressenten multimodale Daten zur Seite stellt. Das System verknüpft Nachbarschaftsanalysen, Marktwertermittlungen und automatisierte Bonitätsprüfungen in einer gemeinsamen Benutzeroberfläche.
In der Immobilienverwaltung verschiebt sich der Fokus von einfachen Textgeneratoren hin zu tief integrierten Plattformen. Ein Statusbericht des Softwareanbieters Buildium verdeutlicht, dass die KI-Nutzung in der Hausverwaltung von 20 Prozent im Jahr 2024 auf 58 Prozent im Jahr 2026 angewachsen ist. Allerdings haben bislang lediglich 8 Prozent aller Unternehmen Kernprozesse wie die Mieterprüfung, Reparaturbeauftragungen oder das Mahnwesen vollständig automatisiert. Der Softwarehersteller Yardi reagierte auf diesen Bedarf auf der Branchenkonferenz YASC 2026 mit neuen Funktionen für Voyager 8, die Ad-hoc-Analysen zu Leerständen, Zahlungsrückständen und Liquiditätsprognosen über natürliche Spracheingaben ermöglichen.
Auch im institutionellen Segment beschleunigt sich die Konsolidierung durch Zukäufe und spezialisierte Bewertungsmodelle. Die Altus Group übernahm den Spezialisten Valos, um automatisierte Bewertungsabläufe mit bestehenden Marktdaten zu kombinieren. Ziel ist die verzögerungsfreie Berechnung von Discounted-Cash-Flow-Modellen und Standortrisiken für Gutachter. Auf dem Nareit AI Summit demonstrierten institutionelle Fonds wie TF Cornerstone, Invesco und Getty Realty den Einsatz von Algorithmen zur automatisierten Analyse komplexer Mietverträge, Klimarisiken und ESG-Vorgaben im Rahmen der Due Diligence.
Im Bereich Bauwesen und Lifecycle-Management setzt sich die Konsolidierung der Datenbestände fort. Facility Grid kündigte die Übernahme von PingCx an, um Sensordaten, Baupläne und Gewährleistungsfristen bei der Inbetriebnahme von Großgebäuden automatisiert abzugleichen. Zudem schlossen sich Connexus und ASM zusammen, um über eine gemeinsame Beschaffungsplattform Materialpreise und Handwerkerangebote bei Sanierungsprojekten automatisiert zu verhandeln. Diese Entwicklungen unterstreichen den Wandel von isolierten Pilotprojekten hin zu vernetzten Branchenökosystemen.

