In der europäischen Immobilienbranche hat der Einsatz von Systemen mit künstlicher Intelligenz in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen. Eine Branchenerhebung der PropTech-Spezialisten aedifion und des Beratungsunternehmens Rueckerconsult zeigt jedoch eine erhebliche Kluft zwischen oberflächlicher Tool-Nutzung und echter technologischer Integration. Nach Befragung von Führungskräften aus 35 Immobilienunternehmen gaben 86 Prozent der Betriebe an, im Arbeitsalltag bereits auf KI-Anwendungen zurückzugreifen. Der flächendeckende Einsatz vollzieht sich bislang allerdings überwiegend auf standardisierter Basis.
Rund 90 Prozent der aktiven Nutzer vertrauen primär auf isolierte Standard-Tools wie ChatGPT, Claude oder Perplexity, statt eigene Softwarelandschaften aufzubauen. Nur 27 Prozent der untersuchten Unternehmen verfügen über eine vollintegrierte KI-Plattform, die direkt und gesichert auf die internen Datenbestände des jeweiligen Unternehmens zugreifen kann. Diese Fragmentierung führt dazu, dass das Potenzial der Technologie vor allem auf punktuelle Textarbeiten beschränkt bleibt, anstatt strukturierte Immobilien- und Portfolioinformationen durchgängig auszuwerten.
Der Schwerpunkt der aktuellen Anwendungen liegt folglich bei administrativen Prozessen. Etwa 70 Prozent der befragten Firmen setzen künstliche Intelligenz für Aufgaben im Rechnungswesen oder bei der Dokumentenablage ein. Weitere 60 Prozent der Unternehmen nutzen entsprechende Werkzeuge zur Portfolioanalyse sowie zur Aufbereitung von Nachhaltigkeitsberichten nach ESG-Kriterien. In diesen Bereichen lassen sich unstrukturierte Dokumente rasch digitalisieren, was den operativen Aufwand verringert.
Dagegen ist der Einsatz von Algorithmen in der operativen Gebäudesteuerung bislang erstaunlich gering. Lediglich 23 Prozent der Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz für vorausschauende Wartungsprozesse oder für die automatisierte Regelung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Während viele Organisationen den Nutzen von Sprachmodellen für Büroaufgaben rasch verstanden haben, erfordert die Anbindung von Modellen an Gebäudeleittechnik und Sensorik eine weitaus anspruchsvollere Hardware- und Dateninfrastruktur.
Trotz der noch unzureichenden Integration verzeichnen die befragten Akteure bereits spürbare wirtschaftliche Erfolge. Ganze 90 Prozent der anwendenden Unternehmen berichten von messbaren Zeiteinsparungen durch den KI-Einsatz. Zudem konnten 43 Prozent der befragten Betriebe direkte Kostensenkungen in ihren Prozessen realisieren, was den Druck auf zögerliche Marktteilnehmer erhöhen dürfte, eigene proprietäre Schnittstellen zu schaffen.

