Der Musikstreaming-Marktführer Spotify baut seine rechtliche Infrastruktur für nutzergenerierte KI-Musik weiter aus. Nach einer ersten Grundsatzvereinbarung mit der Universal Music Group hat das schwedische Unternehmen im August 2026 wichtige Verträge mit dem Independent-Netzwerk Merlin und dem Musikverlag Kobalt unterzeichnet. Merlin vertritt über 30.000 unabhängige Plattenfirmen und deckt rund 15 Prozent des weltweiten Musikmarktes ab. Mit den neuen Abschlüssen sichert sich Spotify den Zugriff auf einen beträchtlichen Katalog für neuartige interaktive Musikformate.
Ziel der Kooperationen ist die Einführung eines kostenpflichtigen Zusatzdienstes für zahlende Abonnenten. Nutzer sollen damit in die Lage versetzt werden, bestehende Titel über generative Algorithmen legal neu zu interpretieren, zu remixen oder KI-generierte Coverversionen zu erstellen. Spotify reagiert damit auf den anhaltenden Trend zu von Fans erstellten Modifikationen, die bisher häufig unlizenziert auf Plattformen wie TikTok oder YouTube kursierten. Die neuen Verträge sollen diesen Graubereich in ein reguliertes Geschäftsmodell überführen.
Das Lizenzkonstrukt stützt sich auf das Prinzip von Zustimmung, Nennung und Entlohnung. Künstler sowie Songwriter müssen der Nutzung ihrer Originalaufnahmen und Kompositionen im Rahmen eines Opt-in-Verfahrens ausdrücklich zustimmen. Bei jeder Generierung wird das Originalwerk direkt verlinkt, während die erzielten Einnahmen zwischen der Plattform, den Rechteinhabern und den beteiligten Urhebern aufgeteilt werden. Damit will Spotify Vorbehalten der Kreativbranche begegnen, die einen unkontrollierten Missbrauch ihres geistigen Eigentums fürchtet.
Die Vereinbarung mit dem Verlag Kobalt vom 13. August 2026 ergänzt den am 4. August 2026 besiegelten Deal mit Merlin um die notwendigen Verlags- und Kompositionsrechte. Erst die Kombination aus Master- und Verlagsrechten ermöglicht es Plattformen, vollständige Rechtssicherheit bei der Transformation von Audiotiteln zu garantieren. Spotify positioniert sich mit diesem Schritt als Bindeglied zwischen Technologieanbietern und traditionellen Rechteinhabern, um Urheberrechtsstreitigkeiten von vornherein zu vermeiden.
Der Vorstoß fügt sich in eine Phase ein, in der die gesamte Musikindustrie klare Spielregeln für generative Modelle einfordert. Während Labels wie Sony Music, Warner Music und der Branchenverband IFPI gleichzeitig strengere Vorgaben für Hitparaden verlangen, um rein synthetische Tracks auszuschließen, etablieren Plattformen kontrollierte Erlösmodelle für hybride Kreationen. Die Beteiligung von Branchengrößen wie Kobalt und Merlin zeigt, dass der Musiksektor generative KI zunehmend als lizenzierbares Format statt als reine Bedrohung begreift.

