Der Veröffentlichung des 2026 State of Construction Finance Reports durch das Unternehmen Rabbet am 12. August 2026 zufolge offenbart sich eine deutliche Spaltung bei der Nutzung künstlicher Intelligenz in der Baufinanzierung. Die Untersuchung zeigt, dass Projektentwickler und Kapitalgeber dem Einsatz von KI je nach Aufgabenfeld extrem unterschiedlich gegenüberstehen. Während automatisierte Textanalysen breite Zustimmung finden, stößt der Einsatz von Algorithmen bei numerischen Kalkulationen auf erhebliche Vorbehalte. Damit zeichnet die Studie ein präzises Bild davon, wo die Branche derzeit die Leistungsgrenzen und Risiken der Technologie sieht.
Im Detail geben 71 Prozent der befragten Entwickler und Geldgeber an, KI-Systemen beim Lesen, Zusammenfassen und Abgleichen von Dokumenten vollkommen oder weitgehend zu vertrauen. Dazu gehören typische Verwaltungsaufgaben wie das Prüfen von Bauverträgen oder das Abgleichen von Freistellungserklärungen. In diesen Bereichen unterstützen generative Sprachmodelle die Vorbereitung von Entscheidungen maßgeblich, da sie unstrukturierte Textdokumente schnell erfassen und relevante Passagen herausfiltern können. Dadurch lassen sich administrative Abläufe im Projektcontrolling spürbar beschleunigen und menschliche Kapazitäten für strategische Aufgaben freisetzen.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich hingegen bei der Auswertung finanzieller Kennzahlen und mathematischer Modellierungen. Lediglich 21 Prozent der Studienteilnehmer vertrauen KI-Systemen, wenn es um konkrete mathematische Berechnungen und Finanzkalkulationen geht. Die Zurückhaltung der Entscheidungsträger gründet sich vor allem auf die mangelnde Verlässlichkeit generativer Systeme bei exakten mathematischen Operationen. Da Fehler in der Baukalkulation gravierende finanzielle Konsequenzen für Investoren nach sich ziehen können, bleiben automatisierte Berechnungen ohne menschliche Gegenprüfung in der Praxis weitgehend tabu.
Die Befragung identifiziert konkrete Bedenken, die dieser Zurückhaltung zugrunde liegen. Mit 67 Prozent führt das Risiko von KI-Halluzinationen die Liste der Hauptgründe an, warum Befragte bei Finanzdaten zögern. Generative Modelle neigen unter Umständen dazu, plausible, aber mathematisch falsche Ergebnisse zu erzeugen. Als zweitgrößte Hürde nennen 58 Prozent der Befragten Sorgen bezüglich der Datensicherheit und des Datenschutzes. Die Weitergabe sensibler Projekt- und Finanzdaten an externe KI-Modelle wird von vielen Unternehmen nach wie vor als kalkulatorisches und rechtliches Risiko bewertet.
Für Entwickler von Finanz- und Bausoftware ergeben sich aus der Rabbet-Studie wichtige Anforderungen an künftige Produktstrategien. Reine Black-Box-Systeme, die Finanzentscheidungen ohne transparente Herleitung treffen, haben auf dem aktuellen Markt kaum Marktchancen. Erfolgreiche Ansätze setzen stattdessen auf eine klare Funktionstrennung: KI-Modelle übernehmen das Sichten von Texten und Verträgen, während deterministische Rechenkerne die mathematischen Kalkulationen durchführen. Nur durch die Kombination von automatisierter Texterfassung und nachvollziehbarer Berechnungslogik lässt sich das Vertrauen der Kreditgeber und Entwickler langfristig gewinnen.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass die Bau- und Immobilienfinanzierung vor einer pragmatischen Reifungsphase steht. Künstliche Intelligenz wird nicht flächendeckend ersetzt oder blind adaptiert, sondern sehr gezielt für administrative Entlastungen eingesetzt. Der Schutz sensibler Finanzdaten und die Absicherung gegen mathematische Fehlentscheidungen bleiben dabei die zentralen Rahmenbedingungen. Für Marktteilnehmer bedeutet dies, dass die digitale Transformation im Baubereich künftig vor allem durch transparente, hybride Softwarearchitekturen geprägt sein wird, die menschliche Kontrollinstanzen fest in den Prozess einbinden.

