Auf der jährlichen Branchenkonferenz Groundbreak 2026 in Orlando hat der Bausoftware-Konzern Procore Technologies neue Werkzeuge für den Baustellenbetrieb vorgestellt. Das Unternehmen vollzieht damit nach eigenen Angaben den Übergang von rein passiven Assistenzsystemen hin zu operativen Software-Agenten. Im Zentrum der Präsentationen standen automatisierte Workflows, die alltägliche administrative Reibungsverluste auf Großbaustellen verringern sollen. Die neuen Systeme richten sich gleichermaßen an Projektleiter im Büro und an Montagekolonnen vor Ort.
Ein zentraler Bestandteil der Ankündigungen ist der sogenannte Submittal-Agent, der in enger Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen McCownGordon Construction entwickelt wurde. Das System widmet sich der Prüfung und Einreichung von Werkstattzeichnungen und Materialdatenblättern, die bislang als zeitintensives Nadelöhr galten. Laut Procore kann der Agent bis zu 500 dieser Einreichungen in einem einzigen Arbeitsdurchlauf autonom mit Leistungsverzeichnissen und Ausführungsplänen abgleichen. Abweichungen werden markiert, sodass Ingenieure nur noch Ausnahmefälle manuell freigeben müssen.
Für die operative Arbeit direkt auf der Baustelle hat Procore die offene Betaversion der Anwendung Procore AI Go freigegeben. Diese mobile App setzt auf eine primär sprachgesteuerte Bedienung, um Vorarbeitern und Bauleitern die Arbeit unter rauen Umgebungsbedingungen zu erleichtern. Nutzer können per Spracheingabe Baupläne aufrufen, Notizen diktieren oder Aufgaben an Subunternehmer delegieren, ohne Arbeitshandschuhe auszuziehen oder lange in Menüs zu suchen. Die Eingaben werden strukturiert erfasst und direkt in die Projektmanagement-Plattform synchronisiert.
Ergänzend dazu kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Technologiekonzern Meta an, um Datenbrillen auf Baustellen zu testen. Mit den Meta AI Glasses sollen Fachkräfte künftig freihändig auf Pläne zugreifen und Mängelberichte erstellen können. Baustellenbegehungen lassen sich dabei durch Sprachbefehle begleiten, während Kameras der Brille automatisch Fotodokumentationen anfertigen und dem richtigen Bauabschnitt zuordnen. Ziel der Kooperation ist es, den Dokumentationsaufwand für Handwerker weiter zu senken und gleichzeitig die Arbeitssicherheit durch freie Hände zu erhöhen.
Neben den mobilen Schnittstellen baute Procore auch seine Systemverbindungen im Software-Ökosystem aus. Dazu zählt eine direkte Integration mit IBM Maximo, die den Übergang von fertigen Bauwerken in das Facility Management erleichtern soll. Ferner implementierte der Konzern das Model Context Protocol, kurz MCP, um Prüfprozesse von Nachunternehmern standardisiert abwickeln zu können. Diese Schnittstellen sollen sicherstellen, dass Daten aus Planungs- und Bauphasen nahtlos an nachfolgende Betriebsteams und Aufsichtsbehörden übergeben werden.
Mit diesen Schritten reagiert Procore auf den steigenden Fachkräftemangel und wachsende Terminrisiken in der Bauindustrie. Bauunternehmen stehen international unter Druck, komplexe Dokumentationspflichten ohne zusätzlichen Personalaufwand zu bewältigen. Die Verlagerung von reinen Auswertungen hin zu ausführenden Agenten zeigt, dass die Digitalisierung im Bauwesen zunehmend auf handlungsorientierte Automatisierung setzt. Ob sich Systeme wie sprachgesteuerte Brillen im staubigen Alltag durchsetzen, wird die bevorstehende Erprobungsphase in der Praxis zeigen.

