Die englische Premier League hat den geplanten Start der halbautomatischen Abseitstechnologie (Semi-Automated Offside Technology, SAOT) auf unbestimmte Zeit verschoben. Auf einer Versammlung der Klubverantwortlichen gab die Liga offiziell bekannt, dass das System nicht wie ursprünglich avisiert direkt nach der Länderspielpause im Oktober 2026 den Regelbetrieb aufnehmen wird. Die Entscheidung fiel in enger Abstimmung mit der englischen Schiedsrichterorganisation PGMOL sowie Chief Football Officer Tony Scholes, die auf zusätzliche Tests drängen.
Das neue System wird in Partnerschaft mit dem Sporttechnologie-Unternehmen Genius Sports realisiert. Kern der Lösung ist ein optisches Erkennungsverfahren, das computergestützt 29 Körperpunkte pro Spieler sowie die exakte Position des Balls in Echtzeit trianguliert. Ziel der Einführung ist es, die oft langwierigen Überprüfungen durch den Video Assistant Referee (VAR) spürbar zu beschleunigen und die durchschnittliche Wartezeit pro geprüfter Abseitsszene um über 30 Sekunden zu senken.
Ausschlaggebend für die Vertagung sind offene Fragen zur Zuverlässigkeit unter extremen Spielbedingungen. Die Verantwortlichen fordern umfassende Härtetests im Schattenbetrieb, um sicherzustellen, dass die optischen Kamerasysteme auch bei schwierigen Flutlichtverhältnissen fehlerfrei funktionieren. Zudem muss die Software auch dann stabil bleiben, wenn Spieler im Strafraum eng beieinanderstehen und Verdeckungen einzelner Körperteile, sogenannte Occlusions, die genaue Punktberechnung erschweren.
Die Premier League betonte, dass der Einsatz im regulären Spielbetrieb erst dann freigegeben wird, wenn die Technologie unter allen denkbaren Wettkampfbedingungen eine lückenlose Verlässlichkeit nachweisen kann. Bis dahin bleibt das bisherige, manuelle VAR-Linienziehverfahren das maßgebliche Hilfsmittel für strittige Abseitsentscheidungen in den Stadien der obersten englischen Spielklasse.
Der Fall verdeutlicht die Hürden beim Übergang von computergestützten Assistenzsystemen aus kontrollierten Testumgebungen in den hochkompetitiven Ligabetrieb. Während andere internationale Turniere bereits ähnliche Systeme einsetzen, verlangt der englische Profifußball vor dem scharfen Start ein Höchstmaß an Ausfallsicherheit, um Kontroversen an Spieltagen von vornherein zu minimieren.

