Die American Federation of Musicians, die mehr als 80.000 Musikerinnen und Musiker vertritt, hat eine weltweite Kampagne unter dem Motto „Human Made, Human Paid“ ins Leben gerufen. Der Vorstoß erfolgt unmittelbar vor den anstehenden Neuverhandlungen des Sound Recording Labor Agreement, die am 3. November 2026 beginnen sollen. An den Verhandlungstischen sitzen die Verhandler der Gewerkschaft den führenden Branchengrößen Universal Music Group, Sony Music, Warner Music sowie Disneys Hollywood Records gegenüber. Ziel der Kampagne ist es, den Schutz von Kreativen vor ungebremstem Missbrauch durch generative Algorithmen fest im Branchentarifvertrag zu verankern.
Im Mittelpunkt der gewerkschaftlichen Forderungen steht das sogenannte Prinzip der drei Cs: Consent, Credit und Compensation. Die AFM verlangt, dass bestehende und zukünftige Tonaufnahmen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der beteiligten Instrumentalisten und Vokalisten für das Training generativer KI-Modelle genutzt werden dürfen. Zudem müssten mitwirkende Künstler in den Trainingsdatensätzen und Metadaten namentlich gewürdigt werden. Nicht zuletzt verlangt die Gewerkschaft einen fest garantierten Anteil an allen kommerziellen Erlösen, die aus Lizenzabschlüssen für KI-Trainingsdaten entstehen.
Die Verhandlungen folgen auf Monate juristischer und wirtschaftlicher Spannungen zwischen der Unterhaltungsindustrie und Technologiekonzernen. Nach anfänglichen Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen haben die Major-Labels zunehmend lukrative Partnerschaften und Lizenzverträge mit führenden Plattformen für generative Audio-KI vereinbart. Die AFM wirft den Musikkonzernen vor, Millionensummen durch solche Plattformdeals einzunehmen, während Session- und Studiomusiker leer ausgehen. Ohne klare vertragliche Schranken drohe die vollständige Entwertung handwerklicher Studioarbeit, da bestehende Katalogaufnahmen genutzt würden, um digitale Klone zu trainieren.
Die AFM betont, dass es bei dem bevorstehenden Arbeitskampf nicht darum gehe, technologischen Fortschritt grundsätzlich zu blockieren. Vielmehr müsse verhindert werden, dass Konzerne die Stimmen, Instrumentalleistungen und individuellen Spielstile von Künstlern ohne Bezahlung zur Automatisierung der Musikproduktion zweckentfremden. Studiomusiker tragen oft entscheidend zum charakteristischen Klang erfolgreicher Produktionen bei, besitzen aber selten Urheberrechte an den Master-Bändern. Genau diese Lücke nutzten die Labels derzeit aus, um Lizenzgelder ohne Weitergabe an die eigentlichen Interpreten einzubehalten.
Der Ausgang der SRLA-Verhandlungen im November 2026 gilt als wegweisend für die gesamte internationale Kreativwirtschaft. Sollte die AFM verbindliche Regelungen zu Zustimmung und Gewinnbeteiligung durchsetzen, könnte dies als Blaupause für andere Branchenverbände wie Synchronsprecher oder Autoren dienen. Scheitern die Gespräche, drohen scharfe Proteste und eine spürbare Verlangsamung geplanter KI-Lizenzierungsmodelle der Musikriesen. Für die Gewerkschaft steht fest, dass echte Innovation menschliche Arbeit respektieren und fair vergüten muss.

