Im Gefolge der US-Halbzeitwahlen hat eine schwere Verkaufswelle die globalen Finanzmärkte erfasst und innerhalb von 48 Stunden rund 2,5 Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet. Der technologielastige Nasdaq verzeichnete einen Einbruch von rund fünf Prozent, während in Europa der Leitindex DAX um zwei Prozent und der britische FTSE 100 zeitweise um 2,35 Prozent nachgaben. Was zunächst wie eine zyklische Korrektur erschien, entpuppt sich als gezielter Rückzug institutioneller Anleger aus fremdfinanzierten Wetten auf künstliche Intelligenz.
Besonders stark geraten die Kreditmärkte unter Druck, die den rasanten Ausbau von Rechenzentren in den vergangenen zwei Jahren mit Milliardensummen finanziert hatten. Andrzej Skiba, Leiter des Bereichs US Fixed Income bei RBC Global Asset Management, berichtete über massive Notverkäufe von KI-Schuldtiteln durch spekulative Hedgefonds. Diese Akteure sehen sich durch steigende Zinslasten und schwindende Margen zu drastischen Portfoliobereinigungen gezwungen. Die Deleveraging-Welle trifft vor allem hochriskante Fremdkapitalstrukturen, die auf ungebremstes Wachstum im Modelltraining setzten.
Die Nervosität manifestierte sich konkret am 5. November, als ein ungenannter institutioneller Gläubiger überraschend ein Darlehensportfolio für Rechenzentren im Gesamtvolumen von 500 Millionen Dollar zur Auktion stellte. Unter den betroffenen Vermögenswerten befindet sich eine Kredittranche im Umfang von 25 Millionen Dollar für ein Projekt im US-Bundesstaat New Mexico, an dem SoftBank, Oracle und OpenAI beteiligt sind. Oracle hatte zuvor für dieses Vorhaben eine Klausel über höhere Gewalt geltend gemacht, was die Verunsicherung unter institutionellen Kreditgebern weiter anheizte.
Parallel dazu steigen die Risikoprämien spezialisierter Neocloud-Provider dramatisch an. Die Spreads für Credit Default Swaps, mit denen sich Investoren gegen Zahlungsausfälle absichern, kletterten bei diesen Anbietern auf rund 500 Basispunkte. Dieser Anstieg spiegelt akute Sorgen wider, dass kleinere Cloud-Betreiber ihre milliardenschweren Verpflichtungen für Server-Hardware und Stromkontrakte nicht mehr bedienen können. Die Kombination aus fallenden Mietpreisen für Rechenleistung und steigenden Refinanzierungskosten bringt die Geschäftsmodelle reiner KI-Hosting-Unternehmen ins Wanken.
Die Turbulenzen riefen auch internationale Institutionen auf den Plan. Kristalina Georgieva, Direktorin des Internationalen Währungsfonds, warnte in Washington eindringlich vor den Folgen eines abrupten Endes des KI-Investitionsbooms für die weltweite Geldpolitik. Der IWF kalkulierte zuvor, dass ein spürbarer Einbruch der Infrastrukturinvestitionen bis zum Jahr 2028 das US-Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent belasten könnte. Global drohe der Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum ein Dämpfer von 1,1 Prozent, falls sich die gigantischen Investitionsversprechen als unrentabel erweisen sollten.
Die Verwerfungen an den Märkten werfen bereits lange Schatten auf anstehende Unternehmensereignisse im Tech-Sektor. Prominente Akteure wie Anthropic stehen vor der schwierigen Entscheidung, geplante Börsengänge zu verschieben oder schmerzhafte Bewertungsabschläge hinzunehmen. Solange unklar bleibt, woher die nachhaltige Monetarisierung für die gigantischen Rechenkapazitäten stammt, dürften defensive Kreditgeber ihre Liquidität weiter zurückhalten.

