Ende September 2026 hat KPMG International die Ergebnisse seiner weltweiten Erhebung Global AI Pulse Q3 2026 vorgelegt. Für die Studie wurden zwischen Ende Juli und Ende August insgesamt 2.131 Vorstandsmitglieder und Führungskräfte in 20 Märkten befragt. Die Erhebung zeigt eine deutliche Verschiebung der Prioritäten in den Führungsetagen: Nicht mehr unregulierte Modelltests, sondern verbindliche Kontrollstrukturen entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg von Technologieprojekten. Bemerkenswert ist zudem die internationale Entwicklung, denn der Reifegradabstand zwischen führenden und nachziehenden Weltregionen schrumpfte im Jahresverlauf von 16 auf nur noch 8 Prozentpunkte.
Die Einführung einer formalen Steuerungsebene erweist sich dabei als zentraler Hebel für die Erzielung messbarer finanzieller Erträge. Ganze 86 Prozent der Unternehmen, die bereits einen nachweisbaren Return on Investment aus ihren KI-Investitionen ziehen, verfügen über eine abteilungs- oder unternehmensweite Governance-Struktur, die im Bericht als AI Harness Layer bezeichnet wird. In Organisationen, die sich noch in einer reinen Experimentierphase befinden, ist ein solches Management- und Kontrollgerüst dagegen nur bei 31 Prozent der Fälle vorhanden. Ohne klar definierte Richtlinien und operative Leitplanken verharren viele Initiativen in isolierten Fachabteilungen, ohne jemals wirtschaftlich skalierbar zu werden.
Gleichzeitig offenbart die Studie erhebliche Defizite bei der systematischen Kostenkontrolle im laufenden Betrieb. Zwar berichten 89 Prozent der befragten Führungskräfte von einem spürbaren geschäftlichen Nutzen durch automatisierte Systeme, doch lediglich 12 Prozent stellen diese Produktivitätsgewinne den tatsächlichen Betriebskosten systematisch gegenüber. Unter den Vorreiter-Unternehmen führen immerhin 48 Prozent einen solchen lückenlosen Kostenabgleich durch. Als Reaktion auf unklare Gesamtkosten haben 74 Prozent der befragten Betriebe inzwischen verbindliche Kostenprüfungen direkt in ihre internen Projektgenehmigungsprozesse integriert.
Ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen erfolgreichen Anwendern und Nachzüglern liegt in der Verteilung der Sicherheitsbudgets. Bei Organisationen mit nachgewiesenem ROI messen 71 Prozent der Cyber- und Datensicherheit innerhalb ihrer KI-Etats die höchste Priorität bei. In Unternehmen, die noch in der Erprobungsphase feststecken, liegt dieser Wert bei lediglich 36 Prozent. Die Daten verdeutlichen, dass erfolgreiche Implementierungen technologische Resilienz und Datenschutz von Beginn an als Grundvoraussetzung betrachten, anstatt Sicherheitsfragen erst nach dem Produktivstart nachzurüsten.
Dass organisatorische Reife allein jedoch nicht ausreicht, unterstreicht eine zeitgleich veröffentlichte Untersuchung von GFT Technologies. Das Dienstleistungsunternehmen befragte über Wakefield Research 945 CIOs und CTOs in Großunternehmen mit mindestens 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Die Mehrheit der befragten IT-Chefs gab an, dass veraltete Legacy-Infrastrukturen und isolierte Datenbestände bereits zum vollständigen Abbruch begonnener KI-Initiativen geführt haben. Neben technischen Hürden wachsen in den Chefetagen die Zweifel an der kurzfristigen Rentabilität teurer Softwarepakete, während Umstrukturierungspläne das Vertrauen der Belegschaft belasten.
Die Kombination aus KPMG- und GFT-Ergebnissen zeichnet ein klares Bild einer Konsolidierungsphase im Markt für Unternehmenssoftware. Nach einer Phase hektischer Pilotprojekte zwingen technische Realitäten und Investorenforderungen die Führungsebenen zu einem nüchternen Kurswechsel. Reine Machbarkeitsnachweise werden durch standardisierte Wirtschaftlichkeitsprüfungen ersetzt, die neben Softwarelizenzen auch den enormen Aufwand für Datenbereinigung und Sicherheitsarchitekturen abbilden müssen. Unternehmen, die ihre Legacy-Systeme nicht grundlegend modernisieren und klare Verantwortlichkeiten schaffen, drohen bei der Skalierung endgültig an den eigenen Altsystemen zu scheitern.

