Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. (bevh) und der B2B-Marktplatz Alibaba.com haben am 6. Oktober 2026 eine gemeinsame Erhebung zur Verbreitung autonomer KI-Agenten im deutschen Mittelstand vorgelegt. Die durch das Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführte Befragung zeichnet ein differenziertes Bild der betrieblichen Digitalisierung. Während sprachbasierte Assistenzsysteme inzwischen in vielen Betrieben angekommen sind, vollzieht sich der Übergang zu eigenständig handelnden Systemen deutlich zögerlicher. Die Daten verdeutlichen eine wachsende Kluft zwischen experimenteller Textgenerierung und der tatsächlichen Übertragung von Prozessverantwortung auf Softwareagenten.
In der Gesamtschau nutzen bereits rund 65 Prozent der befragten kleinen und mittleren Betriebe generative KI zumindest gelegentlich für ihre täglichen Aufgaben. Im Gegensatz dazu setzen bisher lediglich 24 Prozent aller KMU auf autonome KI-Agenten, die Arbeitsabläufe ohne ständige menschliche Steuerung ausführen können. Die Betriebsgröße spielt bei dieser Technologieübernahme eine entscheidende Rolle. Bei Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden erreicht die Nutzungsquote von KI-Agenten bereits 45 Prozent, wobei 21 Prozent dieser Betriebe die Systeme regelmäßig in ihren Arbeitsalltag einbinden.
Das wirtschaftliche Interesse speist sich vor allem aus erhofften Effizienzgewinnen bei arbeitsintensiven Standardabläufen. Unter den Betrieben mit mindestens zehn Beschäftigten erwarten 52 Prozent, durch den Einsatz von KI-Agenten zwischen 10 Prozent und über 30 Prozent ihrer operativen Routineprozesse einsparen zu können. Für viele Führungskräfte im Mittelstand markiert dieses Automatisierungspotenzial einen wichtigen Hebel, um Engpässe im laufenden Betrieb abzufedern. Die Hoffnung richtet sich dabei nicht auf den vollständigen Ersatz menschlicher Arbeit, sondern auf eine messbare Entlastung von repetitiven Arbeitsschritten.
Besonders hoch ist der Bedarf an automatisierter Unterstützung in den operativen Kernbereichen des Tagesgeschäfts. Genau 40 Prozent der befragten Betriebe nannten die Auftragsabwicklung und den Kundenservice als die Bereiche mit dem dringlichsten Entlastungsbedarf. Weitere 32 Prozent sehen den größten Handlungsdruck in der klassischen Administration und Büroorganisation. Beide Bereiche sind traditionell durch viele manuelle Schnittstellen, standardisierte Dateneingaben und wiederkehrende Kundenanfragen geprägt, weshalb autonome Agenten hier theoretisch den schnellsten Nutzen stiften könnten.
Dennoch scheuen viele Firmen den endgültigen Schritt zur produktiven Einführung von Agentic AI. Als größte Hürde identifiziert die Studie ein mangelndes Vertrauen in die Verlässlichkeit der Agenten, was von 32 Prozent der Befragten als Haupthindernis angegeben wurde. Dicht darauf folgt ein unklarer betriebswirtschaftlicher Nutzen beziehungsweise ein unsicherer Return on Investment, den 31 Prozent der Unternehmen als Barriere nannten. Wenn autonome Systeme eigenständig mit externen Kunden kommunizieren oder Transaktionen anstoßen sollen, wiegen Haftungsbedenken und potenzielle Fehlentscheidungen oft schwerer als der reine Produktivitätsgewinn.
Die Ergebnisse zeigen, dass der deutsche Mittelstand vor einer qualitativen Schwelle steht, bei der reine Modellzugänge nicht mehr ausreichen. Während Beschäftigte mit Chatbots eigenständig experimentieren können, verlangen autonome Agenten eine präzise Integration in bestehende Warenwirtschafts- und Kundensysteme. Für Softwareanbieter bedeutet dies, dass Verlässlichkeit, transparente Kontrollmechanismen und nachweisbare Einsparungen im Vordergrund stehen müssen. Erst wenn Sicherheitsbedenken ausgeräumt sind, dürfte der Schritt von der passiven Textassistenz zum aktiven, prozessgesteuerten KI-Agenten auf breiter Front gelingen.

