Die rasante Einführung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen offenbart eine gravierende strukturelle Schwachstelle in der operativen Umsetzung. Eine weltweite Erhebung des Plattformanbieters für Prozessorchestrierung Camunda zeigt, dass viele Initiativen nicht an den technischen Modellen selbst, sondern an unzureichenden internen Betriebsabläufen scheitern. Der am 9. September 2026 veröffentlichte Report mit dem Titel "The AI Process Gap" stützt sich auf eine umfassende Befragung internationaler Führungskräfte und IT-Entscheider. Die Ergebnisse belegen, dass bestehende Arbeitsstrukturen dem Tempo moderner Software-Implementierungen oft nicht gewachsen sind. Führungskräfte sehen sich dadurch mit teuren Fehlschlägen konfrontiert, die den erhofften betrieblichen Effizienzgewinn vollständig neutralisieren.
Den konkreten Ergebnissen der Erhebung zufolge geben 72 Prozent der Unternehmen an, dass KI-Initiativen an fehlerhaften, veralteten oder unzureichend angepassten Geschäftsprozessen gescheitert sind. Diese Fehltritte belasten die Bilanzen der betroffenen Betriebe in erheblichem Ausmaß. Die durchschnittlichen Fehlkosten beziffert die Studie auf 1,55 Millionen US-Dollar beziehungsweise rund 1,33 Millionen Euro pro Organisation. Anstelle messbarer Produktivitätszuwächse verbuchen viele Unternehmen somit spürbare finanzielle Verluste. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Einsatz hochmoderner Software ohne eine Anpassung der bestehenden Prozesslandschaft ein hohes ökonomisches Risiko birgt.
Ein zentraler Grund für das Scheitern liegt im Vorgehen bei der praktischen Einführung der neuen Technologien. Ganze 79 Prozent der Unternehmen versuchen, KI-Werkzeuge lediglich auf bestehende Altabläufe aufzusetzen, anstatt diese grundlegend zu überarbeiten. Dieser Weg wird von den Verantwortlichen meist gewählt, weil er in den Fachabteilungen auf deutlich weniger internen Widerstand stößt. Gleichzeitig räumen 61 Prozent der befragten Entscheider ein, dass das zwingend nötige Redesign ihrer Prozesse schlicht nicht mit dem rasanten Tempo der KI-Implementierung Schritt halten kann. Das Resultat ist eine gefährliche Schere zwischen technologischer Beschleunigung und trägen organisatorischen Strukturen.
Die mangelhafte Abstimmung zwischen Technologie und Betriebsabläufen erzeugt zudem unmittelbare Risiken für die betriebliche Rechtssicherheit. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen sahen sich in den vergangenen zwölf Monaten mit konkreten KI-bezogenen Compliance- oder Governance-Problemen konfrontiert. Bei 84 Prozent dieser gemeldeten Zwischenfälle lag die eigentliche Ursache laut der Erhebung in internen Prozessmängeln. Werden Algorithmen in unklare oder fehlerhafte Workflows integriert, vergrößert sich die Anfälligkeit für regulatorische Verstöße dramatisch. Dies zeigt, dass Governance-Herausforderungen in der Praxis primär organisatorische Prozessprobleme widerspiegeln.
Angesichts dieser ernüchternden Erfahrungen wächst in den Chefetagen die Einsicht in die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen. Satte 82 Prozent der Führungskräfte und IT-Entscheider sind mittlerweile davon überzeugt, dass ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz ohne ein tiefgreifendes Process-Re-Design weitgehend wirkungslos verpuffen. Eine nachhaltige Wertschöpfung erfordert demnach zuerst die Orchestrierung und Bereinigung der Workflows, bevor neue Algorithmen integriert werden. Prozessoptimierung darf folglich nicht länger als nachgelagerte Aufgabe betrachtet werden. Ohne eine systematische Vorarbeit drohen zukünftige Budgets für KI-Initiativen erneut ohne messbaren Ertrag verloren zu gehen.

