Der Einsatz generativer Werkzeuge am Arbeitsplatz führt derzeit zu einem unerwartet hohen Korrekturaufwand. Dies geht aus der Untersuchung mit dem Titel 'Redesigning Work: AI's Performance Review' hervor, die der Softwareanbieter BambooHR am 1. September 2026 veröffentlicht hat. Für die Erhebung wurden mehr als 1.600 festangestellte US-Bürobeschäftigte befragt, darunter 520 Führungskräfte aus dem Personalbereich. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Missverhältnis zwischen der investierten Arbeitszeit und dem tatsächlich erzielten Nutzen.
Im Durchschnitt verbringen die befragten Angestellten 87 Minuten pro Tag mit KI-Anwendungen, was rechnerisch rund 47 vollen Arbeitstagen im Jahr entspricht. Allerdings entfallen 42 Prozent dieser Nutzungsdauer auf das Beheben von Fehlern, das Überarbeiten ungenauer Entwürfe und wiederholte Prompt-Iterationen. Dieser Nachbearbeitungsaufwand summiert sich auf etwa 20 ganze Arbeitstage pro Jahr, die allein für das Bereinigen von Systemausgaben aufgewendet werden. Im Gegensatz dazu fließen nur 35 Prozent der Interaktionszeit, umgerechnet etwa 16 Tage jährlich, in die direkte Erzeugung verwertbarer Arbeitsergebnisse.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen dem gemessenen Aufwand und der subjektiven Wahrnehmung der Belegschaften. Trotz des beträchtlichen Zeitverlusts durch Fehlersuche äußern sich 65 Prozent der Studienteilnehmer enthusiastisch über den Einsatz von KI im Arbeitsalltag. Zudem nennen 58 Prozent der Beschäftigten eine angenommene Zeitersparnis als ihren zentralen Antrieb für die Nutzung. Die alltägliche Praxis verdeutlicht jedoch, dass unvollständige Eingaben und Halluzinationen der Systeme zu anhaltenden Schleifen manueller Nachbesserung führen.
Die Untersuchung offenbart zudem ein ausgeprägtes Hierarchiegefälle bei der Nutzung der Systeme. Führungskräfte auf der Ebene von Vice Presidents und dem C-Level verbringen fast doppelt so viel Zeit mit KI-Anwendungen wie Angestellte ohne Leitungsfunktion. Während Führungskräfte vermehrt strategische Entwürfe und Zusammenfassungen generieren lassen, tragen nachgeordnete Mitarbeiter häufig die Last der operativen Detailprüfung. Dies führt zu einer Verlagerung von Routineaufgaben hin zu Prüf- und Korrekturprozessen.
Ungeachtet der unklaren Effizienzgewinne investieren Arbeitgeber weiterhin massiv in die Technologie. Laut dem Bericht haben 63 Prozent der befragten Unternehmen ihre Budgets für KI-Softwarewerkzeuge aufgestockt. Ein belastbarer Nachweis, dass diese Ausgaben tatsächlich zu einem messbaren Produktivitätszuwachs führen, fehlt jedoch in den meisten Betrieben weiterhin. Das Management steht damit vor der Herausforderung, gezielte Schulungsmaßnahmen durchzusetzen, um den Verlust von Arbeitszeit durch fehlerhafte Ausgaben einzudämmen.

