Der weltweite Ausbau von Rechenzentren, spezialisierter Hardware und Energiekapazitäten für künstliche Intelligenz bindet beispiellose Finanzmittel, die zunehmend abseits der regulären Firmenbilanzen organisiert werden. Eine gemeinsame Untersuchung von Allianz Trade, Allianz Research und ACREDIA zeigt, dass führende Technologiekonzerne verstärkt auf Zweckgesellschaften und langfristige Abnahmeverträge ausweichen. Innerhalb eines einzigen Jahres stiegen die außerbilanziellen Verbindlichkeiten der acht größten US-Hyperscaler von 573 Milliarden US-Dollar auf rund 2,6 Billionen US-Dollar an. Diese Praxis verschleiert das tatsächliche finanzielle Ausmaß des aktuellen KI-Investitionswettlaufs erheblich, da wesentliche Risiken in rechtlich ausgegliederte Strukturen verschoben werden.
Die Verlagerung von Zahlungsverpflichtungen betrifft vor allem kapitalintensive Großprojekte wie den Bau gigantischer Rechenzentren, die langfristige Sicherung von Stromkontingenten sowie die Beschaffung hochpreisiger KI-Beschleuniger. Über zweckgebundene Finanzierungsvehikel binden sich die Technologiekonzerne über Jahre hinweg an erhebliche Zahlungsströme, ohne dass diese Summen unmittelbar als reguläre Verbindlichkeiten im Hauptabschluss aufgeführt werden. Parallel dazu legte allerdings auch die offiziell ausgewiesene langfristige Verschuldung der acht untersuchten US-Konzerne massiv zu, nämlich um 86 Prozent im selben Zeitraum. Diese gleichzeitige Zunahme verdeutlicht, dass selbst die stark angewachsenen Bilanzposten nur einen Teil des gewaltigen Kapitalbedarfs für die Infrastruktur abbilden.
Rechnet man die verdeckten Verpflichtungen vollständig in die Bilanzen ein, verschiebt sich das finanzielle Risikoprofil der Hyperscaler grundlegend. Nach den Berechnungen von Allianz Research erhöht sich die tatsächliche Schuldenlast der acht Technologiefirmen bei einer Konsolidierung dieser Posten um durchschnittlich fast 150 Prozent. Was in regulären Quartalsberichten oft als komfortables Liquiditätspolster mit geringer Nettoverschuldung erscheint, relativiert sich bei einer ganzheitlichen Betrachtung der eingegangenen Leistungs- und Zahlungsversprechen spürbar. Viele Analysten und Marktteilnehmer haben diese Form der Schattenfinanzierung bislang nur unzureichend in ihren fundamentalen Bewertungsmodellen berücksichtigt.
Die rechnerischen Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit der US-Tech-Riesen sind beachtlich. Die Autoren der Studie ermitteln, dass sich die modellierte Kreditqualität der acht Konzerne unter Einbeziehung der Zweckgesellschaften rechnerisch um ein bis zwei Ratingstufen verschlechtert. An den internationalen Anleihemärkten zeichnet sich diese Neubewertung bereits in messbaren Schritten ab: Die Risikoprämien, sogenannte Spreads, für Anleihen der betroffenen Technologiekonzerne haben sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als verdoppelt. Gläubiger fordern demnach bereits spürbare Risikoaufschläge, um die massiven Verpflichtungen im Infrastrukturbereich abzufedern.
Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die wachsenden makroökonomischen Risiken des aktuellen KI-Booms. Sollten die erhofften Produktivitätsgewinne und Umsätze aus generativen KI-Diensten hinter den hochgesteckten Markterwartungen zurückbleiben, könnten die langfristigen vertraglichen Zahlungsverpflichtungen zu einer schweren Bürde werden. Die Studienautoren warnen davor, dass die enorme Schuldenlast die operative und strategische Flexibilität der führenden Hyperscaler empfindlich einschränken könnte. Eine standardisierte Offenlegung aller Zweckgesellschaften und Leistungsverträge wird damit zu einem zentralen Thema für Wirtschaftsprüfer, Aufsichtsbehörden und Kapitalanleger.

