Führungskräfte in internationalen Großunternehmen erleben derzeit eine nüchterne betriebswirtschaftliche Realität beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Die jüngste Ausgabe der KPMG-Studie Global AI Pulse für das zweite Quartal 2026 zeigt, dass anfänglicher Euphorie zusehends eine Phase harter Kostenkontrolle folgt. Während die Gesamtinvestitionen auf hohem Niveau verharren, zwingen explodierende Betriebskosten die Unternehmen zu einer strategischen Neuausrichtung.
Laut KPMG haben 49 Prozent der befragten Entscheider die Einführung autonomer KI-Agenten vorerst verlangsamt oder zurückgefahren. Als Hauptursache gelten die laufenden Betriebskosten, die vor allem durch Zähler- und Token-Preise bei der Bearbeitung komplexer Aufgaben entstehen. In vielen Fällen überstiegen diese variablen Ausgaben den direkten wirtschaftlichen Nutzen der eingesetzten Systeme deutlich.
Die Erhebung unter 2.145 C-Level- und Senior-Führungskräften aus 20 Ländern legt eine drastische Lücke beim Renditenachweis offen. Zwar geben 76 Prozent der Befragten an, dass KI einen substanziellen Geschäftswert liefere, doch nur 7 Prozent können derzeit einen mathematisch eindeutigen positiven ROI nachweisen. Zudem räumen 42 Prozent der Unternehmen ein, nur eine unvollständige Sichtbarkeit darüber zu besitzen, an welchen Stellen ihre laufenden KI-Budgets genau verbraucht werden.
Trotz der aufgetretenen Kostenprobleme bleiben die Budgets für KI-Projekte im globalen Maßstab enorm hoch. Im Durchschnitt belaufen sich die KI-Ausgaben der befragten Unternehmen mit mehr als 50 Millionen US-Dollar Jahresumsatz auf stabil 188 Millionen US-Dollar. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg liegt in der Führungsstruktur: Trägt der Chief Executive Officer die direkte Verantwortung für die KI-Ergebnisse, verfünffacht sich die Chance auf einen nachweisbaren positiven ROI von 4 Prozent auf 14 Prozent.
Die Ergebnisse decken sich mit einer Untersuchung von DXC Technology, die spezifische Governance-Konflikte in der DACH-Region beleuchtet. Dort verlangen 80 Prozent der Unternehmen strikt, dass finale Entscheidungen bei neuen KI-Prozessen stets von Menschen getroffen werden. Dennoch halten es 58 Prozent der Führungskräfte für wahrscheinlich, dass KI-Systeme in Zukunft wichtige strategische Unternehmensentscheidungen vollautonom fällen werden.
Dieser Spagat zwischen dem Wunsch nach absoluter Kontrolle und der Erwartung künftiger Autonomie stellt die Rechts- und Compliance-Abteilungen vor immense Hürden. Laut DXC berichten bereits 66 Prozent der Befragten von neuen regulatorischen Audit-Aufgaben durch die mangelnde Nachvollziehbarkeit komplexer KI-Modelle. Da gleichzeitig 71 Prozent mit einem sprunghaften Anstieg virtueller Agenten in den nächsten drei Jahren rechnen, wird ein präzises Controlling zur Überlebensfrage für digitale Transformationsprojekte.

