Der professionelle Sport hat in den vergangenen Jahren einen grundlegenden technologischen Wandel vollzogen. Die Premier League führt ab der Saison 2025/2026 die halbautomatische Abseitstechnologie (SAOT) flächendeckend ein, während für die FIFA Weltmeisterschaft 2026 fortschrittliche Systeme bereitgestellt werden. Die Plattform GeniusIQ von Genius Sports und der Technologiepartner Lenovo erzeugen dabei millimetergenaue 3D-Digital-Twins aller Akteure auf dem Spielfeld. In Kombination mit sensorbestückten Bällen wie dem Adidas Trionda, der mithilfe von Kinexon-Sensoren hunderte Datenpunkte pro Sekunde liefert, lässt sich der genaue Zeitpunkt der Ballabgabe exakt bestimmen.
Die verarbeiteten Daten ermöglichen es dem System, Positionsentscheidungen in Sekundenschnelle direkt an das Headset oder die Uhr des Schiedsrichterteams zu senden. Ergänzt wird diese Überwachung durch KI-stabilisierte Kameras, sogenannte RefCams des Herstellers Riedel Communications, die den Zuschauern unverzerrte Perspektiven aus dem Blickwinkel der Unparteiischen bieten. Durch diese Systeme soll die Dauer von Überprüfungen deutlich verkürzt und die Fehlerrate bei kritischen Torentscheidungen minimiert werden. Der Einsatz stellt eine der bisher tiefgreifendsten Veränderungen in den Regelwerken des internationalen Fußballs dar.
Auch außerhalb des Fußballs führt der Einsatz von Algorithmen zu einer tiefgreifenden Umgestaltung traditioneller Abläufe. Die Herren-Profi-Tour ATP hat seit der Saison 2025 Linienrichter auf allen Belägen, darunter Hartplatz, Rasen und Sand, durch das videobasierte System Electronic Line Calling Live ersetzt. Das traditionsreiche Turnier in Wimbledon vollzieht für die Austragungen 2025 und 2026 denselben Schritt und verabschiedet sich damit nach mehr als 140 Jahren von menschlichen Linienrichtern. In der Major League Baseball kommt ab der Saison 2026 zudem das Automated Ball-Strike Challenge System zum Einsatz, bei dem Teams strittige Würfe per Hawk-Eye-Kamera in Echtzeit überprüfen lassen können.
Neben der Regelauslegung hält KI auch Einzug in die taktische Vorbereitung von Teams aller Leistungsklassen. Für die FIFA Weltmeisterschaft 2026 stellt der Weltverband allen 48 teilnehmenden Nationalmannschaften das Tool Football AI Pro zur Verfügung, das gemeinsam mit Lenovo entwickelt wurde. Das System analysiert gegnerische Muster, Raumaufteilungen und Belastungswerte automatisch und ersetzt bisherige umfangreiche Papierberichte durch einen generativen Wissensassistenten. Ziel dieser Initiative ist es, bestehende Informationsasymmetrien zwischen großen Fußballnationen und kleineren Verbänden gezielt abzubauen.
In der US-amerikanischen Basketballliga NBA verarbeiten optische Trackingsysteme und spezialisierte KI-Modelle wie NBA2Vec Spielzüge auf eine Weise, die der Verarbeitung natürlicher Sprache ähnelt. Das System berechnet Wurfwahrscheinlichkeiten, Verteidigerabstände und optimale Passwege innerhalb von Millisekunden. Zudem nutzen Teams in der NFL, der Premier League und der UEFA Champions League digitale Zwillinge von Anbietern wie AWS oder Genius Sports, um Spielabläufe direkt nach Abpfiff dreidimensional aus jedem beliebigen Blickwinkel zu rekonstruieren. Die Verknüpfung von Sensorik und KI wird somit zu einem zentralen Faktor für den sportlichen Erfolg.

