Die Wertermittlung von Immobilien durchläuft eine fundamentale Umgestaltung von rückblickenden Vergleichswertverfahren hin zu dynamischen, datengetriebenen KI-Modellen. Automated Valuation Models der dritten Generation, wie sie von Anbietern wie PriceHubble oder Sprengnetter entwickelt werden, stützen sich nicht mehr allein auf historische Daten aus Grundbüchern und Angebotspreisen. Stattdessen beziehen sie Echtzeitdaten ein, um präzisere und tagesaktuelle Marktwertanalysen zu erstellen.
Zur genauen Zustandsbewertung greifen moderne Bewertungssysteme auf Computer-Vision-Algorithmen zurück. Die Software analysiert Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen sowie Fassadenfotos, um Mängel, Sanierungsstau oder energetische Gegebenheiten automatisch in die Wertermittlung einzurechnen. Ergänzend analysieren Big-Data-Prognosemodelle Lärmwerte, regionale Infrastrukturprojekte und Zinstrends auf Straßenabschnittsebene, um Preis- und Mietentwicklungen für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren vorherzusagen. Laut der JLL Global Real Estate Technology Survey setzen über 90 Prozent der institutionellen Investoren und Großmakler in Deutschland datenbasierte AVM- und Prognosemodelle als Standard ein.
Auch die Vermarktung von Objekten verändert sich durch den Einsatz zielgruppenspezifischer Systeme zügig. Generative KI-Anwendungen erstellen maßgeschneiderte Exposés für unterschiedliche Käufergruppen wie Kapitalanleger oder Familien in wenigen Sekunden. Aus einfachen zweidimensionalen Grundrissen generieren diese Werkzeuge fotorealistisches 3D-Virtual-Staging sowie interaktive virtuelle Rundgänge zur Online-Besichtigung.
Im Bereich der Erstkommunikation übernehmen autonome Multi-Agenten-Systeme rund um die Uhr den Kundenkontakt. Die KI-Agenten beantworten Anfragen von Kauf- und Mietinteressierten, prüfen Bonitätsunterlagen vorab automatisiert und vergeben selbstständig Besichtigungstermine. Gemäß der ZIA/EY Digitalisierungsstudie sowie Analysen von Bitkom und Destatis nutzen mittlerweile über 40 Prozent aller mittleren bis großen Immobilienunternehmen automatisiertes Lead Scoring und generative Vermarktungsinhalte.
Mit dem steigenden Einsatz gewinnt der rechtliche Rahmen an Bedeutung, insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen des EU AI Acts. KI-Systeme, die zur automatisierten Bewertung von Miet- und Kaufbewerbern eingesetzt werden, fallen im Rahmen des Zugangs zu Wohnraum unter die Kategorie der Hochrisiko-KI. Betroffene Unternehmen müssen daher transparente Verfahren, Mechanismen zur Vermeidung von Diskriminierung sowie eine finale menschliche Kontrolle nachweisen.

