In einem Grundsatz-Essay von 2.377 Wörtern mit dem Titel 'The World is Changing: AI For Creativity' hat sich DreamWorks-Mitgründer und früherer Disney-Chef Jeffrey Katzenberg direkt an die Kreativbranche gewandt. Im begleitenden Interview des Podcasts 'The Town' mit Matthew Belloni und Bloombergs Entertainment-Chef Lucas Shaw fand Katzenberg deutliche Worte für den aktuellen Zustand der US-Unterhaltungsindustrie. Wer sich der technologischen Entwicklung verweigere, riskiere schlichtweg die eigene Bedeutungslosigkeit, mahnte Katzenberg und zog direkte Vergleiche zu einstigen Traditionskonzernen wie Kodak und Blockbuster. Hollywood stehe vor einer Weichenstellung, die über das Überleben etablierter Geschäftsmodelle entscheiden werde.
Katzenberg verglich den gegenwärtigen Umbruch durch generative Systeme mit der schrittweisen Einführung computergestützter Animation in den 1990er-Jahren, insbesondere durch das CAPS-Verfahren und frühe CGI-Pionierleistungen. Damals hätten traditionelle Zeichner ähnliche Existenzängste geäußert, bevor sich digitale Werkzeuge als elementare Verstärker für Produktivität und visuelle Erzählkunst etablierten. Der entscheidende Unterschied liege heute jedoch im rasanten Tempo der Modellentwicklung. Wer nun versuche, die Technologie durch langwierige Gerichtsprozesse und pauschale Blockaden aufzuhalten, werde den Anschluss an eine weltweit agierende Konkurrenz verlieren.
Statt juristischer Abwehrschlachten forderte der Branchenveteran eine aktive Verhandlungsposition der Kreativen ein. Studios, Autoren, Regisseure und Schauspielende müssten die Bedingungen für den Technologieeinsatz selbst definieren. Das Fundament hierfür bilde das Prinzip aus vorheriger Zustimmung und fairer Vergütung, im englischen Diskurs als Consent and Compensation bezeichnet. Nur wenn Urheberrechte und Datennutzung in klaren Verträgen verankert würden, könne Hollywood die Wertschöpfungskette generativer Medien kontrollieren, anstatt die Spielregeln dem Silicon Valley zu überlassen.
Dass Katzenberg seine Thesen nicht als reiner Beobachter formuliert, zeigt sein paralleles unternehmerisches Handeln. Gemeinsam mit Bill Peebles, dem ehemaligen Leiter des Sora-Videoprojekts bei OpenAI, baut Katzenberg derzeit ein eigenes KI-Videostartup auf. Das Unternehmen richtet sich gezielt an professionelle Studios und soll maßgeschneiderte generative Werkzeuge bereitstellen, die nahtlos in traditionelle Produktionsabläufe integriert werden können. Das Vorhaben verdeutlicht, wie technologische Expertise aus führenden KI-Laboren und etabliertes Hollywood-Netzwerk im operativen Studioalltag verschmelzen.
Der Vorstoß löste in der US-Kreativbranche eine intensive Kontroverse über die Zukunft von Gewerkschaftsabkommen und Lizenzierungsmodellen aus. Während Technologieinvestoren Katzenbergs Plädoyer als längst überfälligen Realismus begrüßen, blicken viele Branchenvertreter angesichts offener Vergütungsfragen weiterhin skeptisch auf generative Produktionsketten. Katzenbergs Manifest markiert jedoch eine sichtbare Trendwende: Der Fokus der Filmmetropole verlagert sich zusehends von der Frage, ob generative Systeme Einzug halten, hin zu den konkreten Verträgen und Schnittstellen, die ihre tägliche Nutzung steuern.

