Die Euphorie um generative Systeme und autonome Assistenten hinterlässt deutliche Spuren in den Finanzplänen internationaler Konzerne. Eine weltweite Befragung von 1.636 Technologie-Entscheidern und CIOs durch das Marktforschungsunternehmen The Futurum Group zeigt, dass fast jedes zweite Unternehmen seine kalkulierten KI-Budgets im zweiten Halbjahr 2026 überschreitet. Konkret melden 46,9 Prozent der Organisationen Mehrausgaben gegenüber der ursprünglichen Planung. Nur eine verschwindend geringe Minderheit von 5,6 Prozent blieb unter ihren veranschlagten Mitteln, während zehn Prozent der befragten Betriebe bislang gar kein gesondertes Budget für KI-Initiativen ausweisen.
Die finanzielle Diskrepanz teilt sich in moderate und erhebliche Budgetüberschreitungen auf. Bei 35,6 Prozent der befragten Organisationen bewegen sich die Mehrausgaben im moderaten Rahmen, während 11,3 Prozent von substanziellen Kostenexplosionen berichten. Trotz der wachsenden finanziellen Belastung zieht kaum ein Unternehmen die Notbremse. Lediglich 17,2 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, laufende KI-Initiativen zu pausieren oder abzubrechen. Stattdessen beantragen 47,6 Prozent der CIOs zusätzliche Mittel bei der Geschäftsführung, während 43,3 Prozent die Mehrausgaben durch Umschichtungen innerhalb bestehender Budgets abfedern.
Diese internen Budgetverschiebungen treffen vor allem externe Partner und Dienstleister mit voller Wucht. Wenn IT-Abteilungen Gelder umverteilen müssen, um die laufenden Rechen-, Modell- und Softwarekosten zu decken, streichen 60,9 Prozent dieser Unternehmen zuerst die Ausgaben für externes IT-Personal und Beratungshäuser. Damit verlagert sich das finanzielle Risiko direkt in die IT-Dienstleistungsbranche. Unternehmen ziehen Budgets aus langfristigen Beratungsverträgen ab, um den kurzfristigen Betrieb und die Skalierung ihrer KI-Infrastruktur sicherzustellen.
Dass der Kostendruck nicht allein durch Umschichtungen bei Drittanbietern abgefangen werden kann, unterstreichen flankierende Ergebnisse des Open Future Forum aus dem September 2026. In der Erhebung unter Finanz-, Marketing- und Unternehmensleitern erklärten 21 Prozent der Finanzchefs, dass KI-Investitionen direkt aus Mitteln finanziert werden, die ursprünglich für Neueinstellungen vorgesehen waren. Unter den befragten CEOs bestätigten diesen Schritt sogar 34 Prozent. Das Management kompensiert steigende Lizenz- und Infrastrukturaufwände demnach zunehmend durch einen gezielten Einstellungsstopp in traditionellen Unternehmensbereichen.
Zusätzlich zeigt der Bericht des Open Future Forum, dass nur 41 Prozent der Unternehmen ihre KI-Vorhaben durch frisches Innovationskapital finanzieren. Ganze 20 Prozent der Betriebe speisen ihre Projekte durch die Streichung oder Reduzierung bisheriger Software-Lizenzen. Gleichzeitig melden 50 Prozent der Marketing-Führungskräfte, dass KI-Systeme in ihren Teams bereits die Arbeitsleistung mehrerer Vollzeitkräfte übernehmen. Rund 81 Prozent der befragten Marketingabteilungen haben experimentelle Testphasen hinter sich gelassen, und 20 Prozent betreiben autonome Agenten fest in produktiven Arbeitsabläufen.
Die kumulierten Daten zeichnen ein klares Bild der aktuellen Unternehmenspraxis. Die Einführung künstlicher Intelligenz ist nicht länger ein reines Innovationsprojekt mit offenem Experimentierbudget, sondern zwingt Finanz- und IT-Verantwortliche zu harter Ressourcenallokation. Um die unvorhergesehenen Betriebskosten zu finanzieren, opfern viele Konzerne externes Consulting und personelles Wachstum. Für die kommenden Quartale dürfte die Rentabilität von KI-Investitionen daher unter noch schärfere Beobachtung der Finanzaufsichtsgremien geraten.

