Die Investitionsstrategien im Industriesektor driften bei Zukunftstechnologien massiv auseinander. Laut einer am 8. September 2026 veröffentlichten Erhebung der Managementberatung Horváth investieren Industrieunternehmen aus den USA durchschnittlich 2,9 Prozent ihres Gesamtumsatzes in Künstliche Intelligenz. Deutsche Betriebe wenden im direkten Vergleich lediglich 0,6 Prozent ihrer Umsätze für dieselben Technologien auf. Damit übertreffen die Ausgaben US-amerikanischer Konkurrenten jene der heimischen Wirtschaft um fast das Fünffache.
Dabei mangelt es in Deutschland keineswegs am grundsätzlichen Willen zur Aufrüstung. Nach Angaben der Berater erhöhen aktuell 90 Prozent, also neun von zehn befragten deutschen Industrieunternehmen, ihre Ausgaben für Künstliche Intelligenz und Big Data spürbar. Allerdings geschieht diese Aufstockung von einer vergleichsweise niedrigen Basis aus. Das absolute Ausgabentempo reicht derzeit nicht aus, um den gewachsenen Rückstand zur internationalen Konkurrenz spürbar zu verkürzen.
Als wesentliche Ursache für das Verharren auf niedrigem Niveau identifiziert die Studie vor allem strukturelle Bremsfaktoren. Es sind nicht in erster Linie fehlendes Risikokapital oder übermäßige Anschaffungskosten, die die Einführung behindern. Vielmehr fehlt es in zahlreichen Fabriken und Verwaltungsapparaten an einer konsistenten Datenbasis, der sogenannten Data Foundation, auf der anspruchsvolle KI-Systeme überhaupt erst aufsetzen können.
Hinzu kommt eine personelle Blockade, die den Rollout im Tagesgeschäft erschwert. Der anhaltende Mangel an qualifizierten Fachkräften und unternehmensinternen Kompetenzen verhindert eine zügige Skalierung bestehender Pilotprojekte. Unternehmen stehen vor dem Problem, dass selbst bereitgestellte Budgets nicht zügig in produktive Anwendungen überführt werden können, weil das nötige Expertenwissen für den Betrieb komplexer Analyse- und Automatisierungswerkzeuge fehlt.
Die Ergebnisse unterstreichen ein wachsendes Risiko für den Industriestandort Deutschland, wenn die Transformation zur datengetriebenen Fertigung weiterhin nur im Schneckentempo vorankommt. Während US-Konzerne KI-Infrastrukturen als strategisches Kerninvestment begreifen und entsprechend finanzieren, drohen hiesige Betriebe in eine Rolle als Nachzügler zu geraten. Wenn der Rückstand nicht durch gezielte Datenkonsolidierung und Ausbildungsinitiativen aufgeholt wird, droht sich die Produktivitätslücke in den kommenden Jahren weiter zu vertiefen.

