Eine weltweite Marktuntersuchung des Analystenhauses IDC im Auftrag von Kinaxis beleuchtet den tiefgreifenden Wandel und die bestehenden Hürden beim Einsatz von KI in globalen Lieferketten. Für die Studie wurden mehr als 2.000 Entscheidungsträger aus dem Supply-Chain- und Unternehmensbereich in neun internationalen Märkten befragt. Die Ergebnisse zeigen eine nahezu flächendeckende Grunddurchdringung: Lediglich zwei Prozent der befragten Organisationen nutzen bislang überhaupt keine KI-Funktionen in ihren logistischen Prozessen. Gleichzeitig stufen sich jedoch nur zwölf Prozent der Unternehmen selbst als echte Vorreiter im Bereich der künstlichen Intelligenz ein.
Besonders deutlich tritt eine organisatorische Lücke bei der Absicherung autonom agierender Systeme zutage. Obwohl die Branche verstärkt auf sogenannte Agentic AI setzt, verfügen bislang lediglich zwölf Prozent der Unternehmen über vollständig verankerte Governance- und Kontrollprozesse für autonome Entscheidungen. Diese fehlenden Leitplanken erweisen sich als massiver Bremsklotz für weiterführende Implementierungen. Mehr als die Hälfte der Befragten, konkret 52 Prozent, bezeichnet das mangelnde Vertrauen in automatisierte Entscheidungsfindungen als die größte Hürde bei der unternehmensweiten Skalierung.
Zwischen dem aktuellen Reifegrad und den Erwartungen für die nahe Zukunft klafft eine deutliche Diskrepanz. Gegenwärtig setzen erst sechs Prozent der Unternehmen autonome Prozesse in großem Maßstab operativ ein. Allerdings prognostizieren bereits 41 Prozent der Befragten, dass autonome Software-Agenten innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate zum zentralen Betriebsmodell ihrer gesamten Lieferkette avancieren werden. Dieser erwartete Technologiesprung verdeutlicht den enormen Modernisierungsdruck im Logistiksektor.
Die Untersuchung unterstreicht, dass der Übergang von reinen Assistenzfunktionen zu eigenständig handelnden Agenten neue Anforderungen an die operative Verantwortlichkeit stellt. Bisherige Implementierungen konzentrierten sich primär auf Datenanalysen und punktuelle Prognosen. Wenn Algorithmen künftig jedoch eigenständig Beschaffungsvorgänge auslösen, Transportrouten dynamisch umleiten oder Lagerkapazitäten neu verteilen, müssen Fehlentscheidungen ohne menschliche Verzögerung erkannt und korrigiert werden.
Für die erfolgreiche Integration autonomer Agenten fordern die Studienautoren daher eine rasche Professionalisierung der internen Kontrollarchitekturen. Unternehmen müssen klare Validierungsroutinen, Notfallprotokolle und Verantwortlichkeiten definieren, um die Lücke zwischen technologischer Machbarkeit und betrieblicher Kontrolle zu schließen. Ohne verbindliche Governance-Strukturen droht der geplante Produktivitätsschub durch Agenten an internen Vertrauens- und Sicherheitsbedenken zu scheitern.

