Der renommierte Hedgefonds Elliott Management hat in seinem jüngsten Investorenbrief ein düsteres Bild der aktuellen Tech-Rallye gezeichnet. Die von Paul Singer geführte Gesellschaft, die rund 80 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet, warnt die Finanzwelt vor den Risiken fremdfinanzierter Infrastrukturinvestitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Statt der lange Zeit dominierenden Angst, Kursgewinne zu verpassen, treffe nun ein völlig anderes Gefühl den Markt.
Elliott prägte in dem Rundschreiben das Akronym FOGO, was für Fear of Getting Obliterated oder die Angst vor der vollständigen Auslöschung steht. Dieser Begriff bildet laut dem Fonds den Gegenpol zum bisherigen FOMO-Narrativ, das Anleger jahrelang in immer gewagtere Bewertungen getrieben habe. Die Analysten des Hedgefonds argumentieren, dass das Vertrauen in unbegrenzte Technologieausgaben auf tönernen Füßen stehe, wenn die realen Erträge hinter den massiven Investitionskosten zurückbleiben.
Historisch zieht Elliott einen alarmierenden Vergleich heran. Die derzeitige Phase schuldenfinanzierter Rechenzentren und aggressiver KI-Investitionen erinnere fatal an die Roaring Twenties unmittelbar vor dem Ausbruch der Großen Depression. Damals wie heute seien riesige Kapitalmengen auf Pump in kapitalintensive Infrastrukturprojekte geflossen, während die tatsächliche wirtschaftliche Tragfähigkeit erst Jahre später auf eine harte Probe gestellt wurde.
In dem Schreiben identifiziert der Hedgefonds drei fundamentale Pfeiler, auf denen der aktuelle KI-Boom derzeit ruht. Dazu zählen die Erzielung belastbarer, monetarisierbarer Umsätze mit KI-Software, ein ungehinderter Zugang zu Stromnetzen und Energiequellen sowie eine anhaltend hohe Liquidität an den Märkten für Privatkredite. Sollte auch nur einer dieser drei Faktoren ins Wanken geraten, drohe laut Elliott ein sich selbst verstärkender, kaskadierender Abverkauf im gesamten Technologiesektor.
Die Warnung fällt in eine Phase spürbar zunehmender Nervosität an den Finanzmärkten. An der Technologiebörse NASDAQ kam es zuletzt zu erhöhter Volatilität bei Halbleiter- und Cloud-Werten, während Engpässe beim Netzausbau und Unsicherheiten bei Energielizenzen die Branche belasten. Die Sorge vor überlasteten Energieversorgern und unzureichend gedeckten Capex-Schulden bei Neocloud-Betreibern rückt damit immer stärker in den Fokus institutioneller Anleger.

