Am 5. Oktober 2026 haben Hawk-Eye Innovations und der Weltfußballverband FIFA die nächste Entwicklungsstufe der halbautomatischen Abseitstechnologie offiziell präsentiert. Das System trägt den Namen Advanced SAOT und wurde im Rahmen des neu gegründeten Joint Ventures Football Technology Centre AG der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Entwicklung zielt darauf ab, die oft zähen Wartezeiten bei strittigen Abseitsszenen im modernen Profifußball auf ein Minimum zu reduzieren. Statt zeitraubender manueller Auswertungen im Video-Operations-Raum soll die Verifizierung künftig nahezu verzögerungsfrei erfolgen.
In den vergangenen Jahren sorgte der Einsatz bisheriger Kontrollsysteme immer wieder für hitzige Debatten bei Trainern, Spielern und Fans auf den Rängen. Ältere SAOT-Lösungen benötigten im regulären Spielbetrieb oft mehrere Sekunden, bis eine verbindliche Abseitslinie im Video-Operations-Raum gerendert und durch die Video-Assistenten verifiziert werden konnte. Diese wiederkehrenden Unterbrechungen hemmten nicht nur den dynamischen Spielfluss, sondern dämpften auch die unmittelbare Emotion nach Torerfolgen spürbar ab. Mit Advanced SAOT soll dieser zeitliche Engpass nun behoben werden, indem der gesamte Berechnungs- und Übermittlungsprozess auf unter eine Sekunde verkürzt wird.
Das technische Fundament dieser Neuerung bildet das optische Trackingsystem SkeleTRACK von Hawk-Eye. Über komplexe Multi-Kamera-Arrays, die rund um das Spielfeld angebracht sind, erfasst die Software kontinuierlich 29 definierte Körperpunkte jedes einzelnen Spielers in Echtzeit. Dabei verarbeitet und synchronisiert das System Hunderttausende Datenpunkte pro Sekunde. Aus dieser dichten Datenbasis wird ein präzises dreidimensionales Skelettmodell der Akteure generiert, das jede Körperbewegung exakt nachvollziehbar macht.
Sobald ein relevanter Pass geschlagen wird, analysiert die Software die exakte räumliche Konstellation aller beteiligten Akteure auf dem Spielfeld. Advanced SAOT berechnet die Abseitsstellung in weniger als einer Sekunde und sendet das verifizierte Ergebnis umgehend automatisiert an das Schiedsrichterteam. Das fehleranfällige und zeitraubende manuelle Anlegen von Kalibrierungslinien durch das Video-Schiedsrichterteam entfällt damit vollständig. Die unmittelbare Datenübermittlung versetzt die Schiedsrichter auf dem Rasen in die Lage, knappe Entscheidungen ohne störende Wartezeiten abzusichern und das Spiel zügig fortzusetzen.
Trotz des enormen Automatisierungsgrades betonen die Entwickler, dass der Mensch weiterhin die unumstößliche finale Instanz auf dem Spielfeld bleibt. Die KI-gestützte Technologie übernimmt ausschließlich die geometrisch-räumliche Mathematik und ermittelt objektive Fakten zur exakten Positionierung der Körperteile im Moment des Kontakts mit dem Ball. Subjektive Nuancen des Fußballregelwerks verbleiben dagegen weiterhin bei den Unparteiischen auf dem Rasen. Komplexe Situationen wie die aktive Sichtbehinderung des Torwarts oder rein passive Abseitspositionen erfordern auch in Zukunft das erfahrene Urteilsvermögen der menschlichen Spielleitung.
Mit der Etablierung des Joint Ventures Football Technology Centre AG bündeln Hawk-Eye und die FIFA ihre technologischen Kompetenzen in einer gemeinsamen Institution. Dieser formelle Zusammenschluss unterstreicht das Bestreben des Weltverbandes, richtungweisende Schiedsrichtertechnologien nicht nur zuzukaufen, sondern aktiv mitzugestalten und global zu standardisieren. Advanced SAOT markiert dabei einen neuen technischen Meilenstein für den Einsatz von Computer Vision im Weltsport. Die Sub-Sekunden-Erfassung beweist, wie automatisierte Messungen den Spielfluss spürbar entlasten können, ohne den gewohnten Handlungsspielraum der Schiedsrichter einzuschränken.

