Die Glücksspielaufsicht des US-Bundesstaates Maine, die Maine Gambling Control Unit, hat am 5. Oktober 2026 eine formelle Überwachung der KI-Wettmodelle des Anbieters DraftKings eingeleitet. Dieser Schritt folgt unmittelbar auf vorangegangene Untersuchungen der Aufsichtsbehörden im Nachbarstaat Massachusetts, die ähnliche Praktiken ins Visier genommen hatten. Die behördliche Kontrolle weitet sich damit spürbar im Nordosten der Vereinigten Staaten aus. Zeitgleich mit dem Einschreiten der bundesstaatlichen Behörde wurde zudem eine offizielle Klage auf Bundesebene gegen den Sportwettenanbieter eingereicht.
Im Mittelpunkt der aktuellen Ermittlungen und der parallelen Bundesklage stehen hochentwickelte Machine-Learning-Algorithmen, die sich mit der sogenannten Preiselastizität der Nutzer befassen. Unter dem Branchenbegriff Player Elasticity berechnen diese mathematischen Modelle, wie empfindlich einzelne Kunden auf Quoten, Einsätze und finanzielle Schwankungen reagieren. Die Aufsichtsbehörde prüft nun detailliert, wie diese automatisierten Systeme die individuelle Zahlungsbereitschaft erfassen und ob die zugrundeliegenden Datenmodelle systematisch darauf ausgelegt sind, das Wettvolumen der Nutzer auf der Plattform künstlich hochzuhalten.
Den Anlass für die behördliche Überprüfung bilden schwerwiegende Anschuldigungen hinsichtlich des Spielerschutzes. Den Vorwürfen zufolge soll die künstliche Intelligenz gezielt jene Sportwetter identifizieren, die erhebliche finanzielle Verluste verzeichnen oder klare Anzeichen eines suchtgefährdeten Spielverhaltens aufweisen. Sobald das Modell solche Muster registriert, wird nach Darstellung der Kritiker eine automatisierte Kundenansprache ausgelöst. Durch maßgeschneiderte Bonusangebote, finanzielle Spielanreize und personalisierte Push-Benachrichtigungen sollen gefährdete Kunden gezielt dazu animiert werden, trotz bereits erlittener Einbußen weitere Einsätze zu tätigen.
DraftKings hat den erhobenen Vorwürfen umgehend widersprochen und die Funktionsweise seiner Systeme verteidigt. Das Unternehmen dementiert öffentlich, dass seine Machine-Learning-Algorithmen darauf abzielten, Problemspieler oder vulnerable Kunden systematisch zu identifizieren und zum Weiterspielen zu bewegen. In Stellungnahmen betonte der Betreiber, dass die algorithmischen Modelle regulären geschäftlichen Zwecken dienen und keine Mechanismen enthalten, die gezielt Personen mit problematischen Spielgewohnheiten für Kundenbindungsmaßnahmen ausnutzen.
Trotz des Dementis von DraftKings wächst der regulatorische Handlungsdruck in den USA zusehends. Die Regulierungsbehörden nutzen die aktuellen Verfahren in Maine und Massachusetts, um ligaübergreifende Richtlinien für den Einsatz von künstlicher Intelligenz und algorithmischen Wettmodellen im Sportsektor zu prüfen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, drohen den Anbietern verbindliche gesetzliche Auflagen, die den Einsatz von automatisierten Vorhersagemodellen und personalisierten Benachrichtigungen im digitalen Sportwettenmarkt grundlegend einschränken könnten.

