Der Technologiekonzern Honeywell hat am 15. Oktober 2026 offiziell seine neue Plattform Forge Cognition vorgestellt. Die agentische KI- und Simulationsarchitektur wurde speziell für den gewerblichen Gebäudebetrieb konzipiert. Entwickelt wurde das System in einer technologischen Kooperation mit Nvidia und Dell Technologies. Ziel der Neuentwicklung ist es, Liegenschaften durch den Einsatz vernetzter Software-Agenten effizienter und vorausschauender zu steuern, ohne dafür gewachsene IT-Infrastrukturen komplett ersetzen zu müssen.
Die Plattform bindet sich direkt an bereits vorhandene Building-Management-Installationen vor Ort an und verarbeitet Datenströme kontinuierlich in Echtzeit. Dabei analysieren autonome und teilautonome KI-Agenten die eingehenden System- und Anlagendaten aus verschiedenen Bereichen. Die Software erkennt bereichsübergreifende Zusammenhänge zwischen Teilsystemen wie Klimatechnik, Energieversorgung und Gebäudesicherheit, die in der Praxis häufig isoliert voneinander betrieben werden. Auf dieser Grundlage übernimmt das System ein intelligentes Alarm-Management, das kritische Störungen priorisiert und irrelevante Meldungen herausfiltert.
Ein weiterer Schwerpunkt von Forge Cognition liegt in der vorausschauenden Wartung, dem sogenannten Predictive Maintenance. Durch die fortlaufende Analyse der Sensor- und Betriebsdaten prognostiziert das System potenzielle Ausfälle von Komponenten, bevor kostspielige Defekte im laufenden Gebäudebetrieb entstehen. Gebäudebetreiber behalten dabei die vollständige Entscheidungsgewalt über die Autonomie der Software. Die Plattform gestattet es den Verantwortlichen flexibel festzulegen, ob die Agenten rein beratend tätig sind, nach menschlicher Freigabe semi-autonom handeln oder bestimmte Steuerungsprozesse vollständig autonom ausführen.
Dass die Immobilienwirtschaft bei der Gebäudeautomation vorrangig auf agentische Software setzt, spiegelt eine grundlegende wirtschaftliche Realität wider. Eine am 14. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung des KI-Forschungsunternehmens Anthropic liefert hierzu aufschlussreiche Daten. Die Studie analysierte die ökonomischen Rahmenbedingungen an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Robotik und physischer Arbeit, insbesondere in der Baubranche sowie im Facility Management gewerblicher Immobilien.
Laut der Anthropic-Analyse besteht derzeit eine erhebliche Kluft zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit beim Einsatz physischer Roboter. Moderne KI- und Robotiksysteme sind zwar technisch bereits in der Lage, rund drei Viertel aller anfallenden manuellen Tätigkeiten auszuführen. Dies entspricht rechnerisch einem Anteil von etwa 34 Prozent der gesamten Arbeitsstunden in den untersuchten Bereichen. Trotz dieser theoretischen Leistungsfähigkeit bleibt der praktische Einsatz von Hardware-Robotern in der Realität stark limitiert.
Wirtschaftlich profitabel ist der Einsatz physischer Roboter nach Berechnungen von Anthropic derzeit bei lediglich 0,3 Prozent aller manuellen Tätigkeiten. Auf den US-Arbeitsmarkt übertragen entspricht dies einem Äquivalent von rund 300.000 Arbeitsplätzen. Als wesentliche Ursachen für diese Zurückhaltung nennt der Bericht hohe Anschaffungskosten für die Hardware, aufwendige Systemintegrationen sowie teure manuelle Fehlerkorrekturen. Diese Zahlen belegen, weshalb sich Investitionen im PropTech-Sektor weiterhin vor allem auf Planungs-, Steuerungs- und Software-Workflows wie Forge Cognition konzentrieren.

