Die rechtlichen Auseinandersetzungen um das Training generativer Musikmodelle erreichen eine neue Eskalationsstufe. Eight Mile Style, der Musikverlag hinter dem Katalog des US-Rappers Eminem, hat vor einem Bundesgericht in San Francisco eine 32-seitige Klage gegen das KI-Startup Suno eingereicht. Die Klageschrift wirft dem Unternehmen vor, hunderte geschützte Werke ohne Lizenz für das Training seiner Audioplattform genutzt zu haben. Der Verlag verlangt den gesetzlichen Höchstsatz an Schadensersatz.
Konkret fordert Eight Mile Style die gesetzliche Entschädigung von bis zu 150.000 US-Dollar pro verletztem Werk für insgesamt knapp 270 Musiktitel, was einem Betrag von rund 40,4 Millionen Dollar entspricht. Hinzu kommt eine zusätzliche Forderung über 672.000 Dollar wegen der mutmaßlichen Entfernung oder Veränderung von Copyright-Management-Informationen. Damit beläuft sich die gesamte finanzielle Forderung des Verlags auf mehr als 41 Millionen US-Dollar.
Ein zentraler Punkt der Anklage betrifft die von Suno eingerichteten Schutzmechanismen. Zwar blockiert das System direkte Nutzereingaben, die den Künstlernamen Eminem enthalten, doch lässt sich diese Schutzwand nach Darstellung der Kläger mühelos umgehen. Werde die KI mit stilistischen Begriffen wie Horrorcore oder Rapid-Fire Flow gefüttert, liefere das Modell Tracks, die Eminems charakteristischer Stimmfarbe, Phrasierung und musikalischem Aufbau täuschend nahekämen.
Parallel zu der Klage aus Detroit sieht sich Suno mit weiteren juristischen Schritten konfrontiert. In derselben Woche reichte auch der Nachlass von Elvis Presley eine separate Klage gegen das Startup ein. Neben dem klassischen Urheberrecht berufen sich die Nachlassverwalter auf die Gesetzgebung des US-Bundesstaates Tennessee. Der sogenannte ELVIS Act schützt die Persönlichkeitsrechte, Namen und Stimmmerkmale von Künstlern ausdrücklich vor unautorisierter Nachbildung durch künstliche Intelligenz.
Die koordinierte Klagewelle markiert einen Wendepunkt für KI-Musikgeneratoren, die in den vergangenen Monaten rasant an Popularität gewonnen haben. Bislang beriefen sich Entwickler zumeist auf den Grundsatz des Fair Use im US-amerikanischen Recht, um das millionenfache Scrapen von Musikaufnahmen zu rechtfertigen. Durch die Kombination aus Urheberrechtsklagen und bundesstaatlichen Gesetzen zum Schutz der Stimmidentität gerät dieses Geschäftsmodell nun von zwei Seiten gleichzeitig unter Druck.

