Der rechtliche Druck auf Entwickler generativer Sprach- und Musik-KI spitzt sich dramatisch zu. Die Authentic Brands Group, Verwalterin des musikalischen Erbes von Elvis Presley, reichte vor einem US-Bundesgericht Klage gegen das KI-Unternehmen Anthropic ein. Gefordert wird ein Schadenersatz in Höhe von 41 Millionen US-Dollar. Die Klage stützt sich auf den Vorwurf, dass Anthropic sein Sprachmodell Claude systematisch und ohne Erwerb der notwendigen Lizenzen mit dem geschützten Werk des Musikers trainiert habe.
Konkret wirft die Authentic Brands Group dem KI-Entwickler vor, mindestens 274 Songs von Elvis Presley unbefugt in den Trainingsdatensatz eingespeist zu haben. Zu den betroffenen Werken zählen weltbekannte Klassiker wie "Can't Help Falling in Love" und "Don't Be Cruel". Vertreten wird der Nachlass von dem renommierten Anwalt Richard Busch, der bereits im aufsehenerregenden Urheberrechtsstreit um den Song "Blurred Lines" für Aufsehen sorgte. Dies markiert einen der ersten Fälle, in denen der Nachlass eines einzelnen Künstlers eigenständig juristisch gegen einen großen Modellbetreiber vorgeht.
Zeitgleich sieht sich Anthropic mit einer weiteren massiven Geldforderung konfrontiert. Der unabhängige US-Musikverlag Reservoir Media leitete am 21. Oktober 2026 zwei separate Gerichtsverfahren ein, die sich sowohl gegen Anthropic als auch gegen den Musik-KI-Anbieter Suno richten. In dieser Klageschrift beziffert Reservoir Media die Forderungen nach gesetzlichem Schadenersatz auf bis zu 340 Millionen US-Dollar. Demnach sollen geschützte Kompositionen zahlreicher weltbekannter Musiker ohne Zustimmung für das Training genutzt worden sein.
Zu den im Katalog von Reservoir betroffenen Urheberrechten zählen renommierte Werke von Weltstars wie Madonna, Johnny Cash und Joni Mitchell. Der Verlag argumentiert, dass die KI-Unternehmen massenhaft geschützte Schöpfungen verwertet hätten, um kommerzielle Modelle zu erschaffen. Suno nutzt Trainingsdaten, um auf Knopfdruck vollständige Audiotracks zu generieren, während Anthropic vorgeworfen wird, Songtexte und musikalische Wissensstrukturen unrechtmäßig absorbiert zu haben.
Die neuen Klagen fallen zeitlich mit entscheidenden Verhandlungen im bestehenden Rechtsstreit zwischen führenden Musiklabels und Anthropic zusammen. Am 21. Oktober 2026 fand vor dem Bundesgericht in San Jose eine mündliche Anhörung über Anträge auf ein summarisches Urteil statt, an der unter anderem die Concord Music Group und Universal Music beteiligt sind. Die Musikkonzerne legten dar, dass Claude durch die wortwörtliche Wiedergabe von Songtexten sowie synthetische Imitationen bekannter Songwriter den Primärmarkt der Künstler untergrabe und das gesamte Lizenzierungsgeschäft bedrohe.
Anthropic hält den Vorwürfen im San-Jose-Verfahren entgegen, dass Nutzer die Songtexte aktiv per Prompting anfordern müssten und die KI lediglich als Hilfestellung diene. Für Modellbetreiber steht jedoch viel auf dem Spiel. Sollten Gerichte die Argumente der Musikindustrie stützen, drohen KI-Entwicklern rückwirkende Lizenzforderungen in Milliardenhöhe sowie die gerichtliche Anordnung, Trainingsdatensätze und darauf basierende Modelle nachträglich zu bereinigen.

