Die US-amerikanische College Squash Association hat in Zusammenarbeit mit dem Technologieanbieter DigiMithril den offiziellen Einsatz des KI-gestützten Systems IntelliReferee für die anlaufende Saison gestartet. Die praktische Erprobung im Hochschulsport folgt auf eine Grundsatzvereinbarung mit dem Schiedsrichter-Weltverband World Squash Officiating. Squash gilt aufgrund der extrem beengten Raumverhältnisse auf dem Court und der hohen Ballgeschwindigkeiten als eine der am schwersten zu beurteilenden Sportarten weltweit. Mit dem Pilotprojekt soll die Entscheidungsqualität auf dem Court spürbar verbessert und chronischen Debatten über Schiedsrichterleistungen entgegengewirkt werden.
Im Zentrum der sportlichen Kontroversen stehen seit jeher die sogenannten Let- und Stroke-Entscheidungen, die von den Unparteiischen in Sekundenbruchteilen gefällt werden müssen. Kreuzen sich die Laufwege zweier Spieler auf engem Raum, muss der Schiedsrichter beurteilen, ob eine Behinderung unvermeidbar war und ein Ballwechsel wiederholt werden muss, oder ob eine gravierende Behinderung einen direkten Punktgewinn begründet. Menschliche Referees stoßen dabei regelmäßig an ihre Wahrnehmungsgrenzen, da Sichtachsen verdeckt sein können und die Aktionen blitzschnell ablaufen. Derartige strittige Szenen führen regelmäßig zu Protesten auf dem Feld und unterbrechen den Spielfluss für Athleten und Zuschauer gleichermaßen.
Das System IntelliReferee setzt an dieser Problematik an und analysiert reguläre Livestream-Feeds direkt in Echtzeit mittels Computer Vision. Anstelle teurer Spezialhardware greift die Software auf bestehende Videobilder zurück und extrahiert daraus dreidimensionale Bewegungsmuster. Die KI wertet dabei 18 Parameter gleichzeitig aus, zu denen unter anderem die exakten Abstände zwischen den Spielern, der freie Raum zur Stirnwand und die Geschwindigkeit des Balls zählen. Ergänzend erfasst das Modell frontale sowie seitliche Laufwegsblockaden, um Video- und Feldschiedsrichtern unverzüglich eine objektive Beurteilungsgrundlage bereitzustellen.
Die Kooperation mit World Squash Officiating verleiht dem Projekt ein verbindliches sportpolitisches Fundament. Der Weltverband begleitet die Initiative engmaschig, um belastbare Richtlinien für den Einsatz automatisierter Entscheidungshilfen im Squash zu etablieren. Vorerst agiert das System als rein beratende Assistenz, sodass die letztendliche Entscheidungskompetenz bei den menschlichen Schiedsrichtern verbleibt. Dieser kontrollierte Ansatz soll sicherstellen, dass die Technologie reibungslos in bestehende Abläufe integriert wird, ohne das Vertrauen der Aktiven zu gefährden.
Der Pilotversuch im US-Collegesport verdeutlicht einen wachsenden Trend in Sportarten abseits des milliardenschweren Spitzenfußballs. Während Elite-Ligen auf hochpreisige Multi-Kamera-Systeme setzen, eröffnen KI-Modelle auf Basis standardisierter Videostreams auch kleineren Verbänden den Zugang zu präziser Echtzeitanalytik. Bewährt sich die Technologie im Laufe der Collegesaison, planen die Partner eine schrittweise Ausweitung auf internationale Turniere. Computergestützte Videoanalyse könnte damit künftig auch im Racketsport zur standardmäßigen Regeldurchsetzung gehören.

